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Weblog von Antje Szillat:
Von der Idee zum fertigen Buch
letzte Änderung am: 4. April 2008
erstellt am: 13. August 2007


13. Eintrag (04.04.2008)

Der Grund für dieses Buch

Es gibt Dinge, die nur Menschen wissen, die Kinder haben.
Was allerdings viele Menschen, die Kinder haben, nicht wissen ist, dass manche Dinge völlig sinnlos sind.

Zum Beispiel sich mit den Eltern anderer Kinder anzulegen.
Nun gut; mir hatte das zuvor keiner gesagt und deshalb habe ich es gemacht mit dem Ergebnis, dass "alles" nur noch schlimmer wurde. Anfänglich natürlich nicht für mich oder meinen Mann, sondern eben für eines meiner Kinder - und in diesem ganz besonderen Fall so konsequent und unerbittlich, dass ich das erste Mal in meinem Leben als Mutter mit folgenden Gedanken mein Hirn belasten musste:

Das ist Mobbing!

Mein Kind war das klassische Mobbingopfer geworden, und ich war nicht ganz unschuldig daran - dachte ich damals.

Ein schreckliches Jahr lag vor uns; vor mir, weil ich mich mit einem furchtbar schlechten Gewissen herumplagen musste und meinem Kind einfach nicht helfen konnte, und vor meinem Kind, weil es sicht nicht traute, sich helfen zu lassen und anfing, sein Leben und leider auch sich selbst zu hassen.

Wie gesagt, es war ein schreckliches Jahr, in dem wir alle miteinander sehr viel Angst hatten, aber auch viel über die Ängste der anderen erfuhren und erfahren sollten.

Am Ende schafften wir es - mit vereinten Kräften -, für unser Kind wieder ein gutes Umfeld zu schaffen und diesem unerträglichen Zustand ein Ende zu bereiten.
Ich will nicht verschweigen, dass dies nur durch einen Schulwechsel möglich war.

Aber ab sofort war der Spuk vorbei und aus unserem Kind, war wieder das Kind geworden, was es immer gerne sein wollte: ein glückliches Kind!

Nur diese Erfahrung und Erinnerung nagten dennoch an mir, und ich begann zu recherchieren, wie es anderen mit dem Thema "Mobbing in der Schule" erging oder ergangen war.

Was ich in den nächsten Wochen und Monaten in Erfahrung bringen sollte, haute mich schlichtweg vom Hocker. Manchmal saß ich vor dem PC, konnte durch den weißlichen Schimmer, den die Tränen auf meine Augen gelegt hatten, kaum die Buchstaben erkennen und fühlte mich all diesen fremden Menschen, die dort von ihren Erfahrungen, von ihren Qualen, aber auch von ihren Taten berichteten, so eng verbunden, als wären sie ein Teil von mir selbst.

Nachdem ich Stunden, Tage, Wochen mit Internetrecherchen verbracht hatte und sich langsam ein Gedanke - eine Theorie - in meinem Kopf zu verfestigen begann, machte ich mich auf den Weg, um mit den Menschen persönlich zu sprechen.

Wie der Zufall es wollte oder das Schicksal für mich vorgesehen hatte, bekam ich von einem meiner Printmagazine, für die ich als freie Redakteurin tätig bin, genau zu diesem Zeitpunkt den Auftrag für eine mehrseitige Reportage zu dem Thema, das mich seit geraumer Zeit voll und ganz in Beschlag genommen hatte.

Nun hatte ich sogar einen "offiziellen" Grund für meine Recherchen - und ich hatte die Möglichkeit zu reisen. Aber nicht in die sozialen Brennpunkte der Großstädte wie Berlin, Frankfurt an der Oder oder ähnliche, nein, ich wollte die Situation in den Kleinstädten erforschen und dem Phänomen "Mobbing" dort auf die Schliche kommen, wo die Welt angeblich noch völlig in Ordnung ist. Über die Zustände in besagten Problemgebieten hatten andere schon ausführlich berichtet.

Nachdem meine Reportage für das erwähnte Magazin geschrieben, gedruckt und zu lesen war, hatte sich meine Theorie so verfestigt, dass ich beschloss, daraus ein Buch zu machen: ein Buch mit dem Arbeitstitel ANGST!

Und eines hatte ich noch beschlossen: mit der Mobbing-Geschichte meines Kindes würden nicht die geringsten Ähnlichkeiten bestehen. Ich hatte gelernt - der kleine Erziehungsberater hatte seine erste Wirkung bei mir hinterlassen. Bis auf die Angst würde es keine Hinweise geben.

PS: Und im nächsten Eintrag geht mein Manuskript auf Reisen …

PPS:

"Friss du Arsch ... los, friss schon!"

Nico hockte auf dem Boden, mit dem Rücken an die Kloschüssel gelehnt. Seine Augen waren vor Angst weit aufgerissen und in seinem Mund steckte eine fette braune Nacktschnecke. Er wimmerte entsetzlich. Für einen kurzen Moment lang blickte er Jan, zwischen den Beinen der Typen hindurch, direkt in die Augen.

Hört auf!, wollte Jan laut schreien, aber seine Stimme versagte einfach.

(
Aus "Motiv: Angst!" von Antje Szillat)

12. Eintrag (04.04.2008)

Habe lange nichts von mir hören lassen ...

Doch nun bin ich wieder da!

Das Tief, in das ich hoffnungslos zu versinken drohte, habe ich hinter mir gelassen und ihm gehörig den Stinkefinger gezeigt. Und wo wir gerade beim Stinkefinger sind, kurz ein Bericht, wem ich diesen "berühmten" Finger in den letzten Wochen noch so alles gezeigt habe oder gerne mal gezeigt hätte. Oder soll ich lieber mit denen anfangen, die ihn in keiner Weise verdient haben?

Ach, am besten fange ich einfach bei mir an.

Ja, diese Schreibwerkstatt hat mich echt Nerven gekostet: Nachdem ein glückliches Ende eigentlich schon in Sicht war, passierte genau das, was "wir Autoren" in allen Facetten kennen - der Verlag wollte noch mal "in sich gehen". Was bedeutet: wieder einmal warten ... warten ... warten ... (Ihr lieben Verlagsmenschen, wisst ihr eigentlich, was das mit den sowieso schon überstrapazierten Nerven eines Autors macht?)

In diesem Fall beschloss ich, mir selbst den berüchtigten Mittelfinger zu zeigen, weil ich mich mal wieder zu früh gefreut und auf der Gewinnerstraße gesehen hatte. Mensch, Antje, rief ich mir zu, da bist du doch noch lange nicht!

Und nachdem ich mich ordentlich selbstbemitleidet hatte, musste schon wieder der besagte Finger seine unschöne Arbeit verrichten, denn eigentlich gab es doch wirklich jede Menge andere gute Gründe, mich zu freuen, und weil ich manchmal so unglaublich undankbar und vor allen Dingen ungeduldig bin, war der Finger - verbunden mit einem heftigen Tritt in den eigenen Allerwärtesten - absolut fällig und angebracht.

Warum jammern, wenn drei neue Bücher im Frühjahr, zwei im Herbst und zwei weitere in 2009 - bislang - erscheinen?
Wenn das kein Grund zur Freude ist, was dann? (Zu mindestens aus der Sicht einer Autorin/eines Autors!)

Nun finde ich es allerdings extrem langweilig und obendrein super schwierig, über ein Buchprojekt zu schreiben, dessen Veröffentlichung so weit und vor allen Dingen so hoch in den Sternen steht, dass selbst das beste Teleskop nicht in der Lage ist, es am Himmel zu entdecken, dass ich beschlossen habe, künftig über etwas ganz anderes in diesem Blog zu schreiben - nämlich über mein soeben erschienenes Buch:

"Motiv: Angst!"

Der Unterschied: dies ist erschienen, während das andere noch ziel- und orientierungslos durchs (um bei den Sternen zu bleiben) Weltall saust.

Und da dieses "Angst-Buch" schon eine ganze Weile vor Veröffentlichung für Wirbel (und tatsächlich auch Angst) gesorgt hat, werde ich auch ganz genau dort anfangen: 

Wie bin ich auf die Idee gekommen dieses Buch zu schreiben? Was hat mich dazu veranlasst?

PS: Schnell noch einen kleinen Schwenker zurück zur "Schreibwerkstatt". Natürlich bleiben Kathrin und ich am Ball, und natürlich veranstalten wir weiterhin fleißig Schreibwerkstätten und Workshops, und natürlich wollen und (da bin ich mir ganz sicher) werden wir dieses Buch veröffentlichen ... doch momentan sind andere Dinge wichtiger.

PPS: Und an dieser Stelle lasse ich euch ein wenig aus "Motiv: Angst!" lesen und freue mich riesig über euer Feedback.

Ein Keuchen und ein Würgen, als ob sich jemand an seiner eigenen Zunge verschluckt hätte, tönte aus dem Nachbarklo zu Jan herüber. Jan fummelte aufgeregt an seiner Hose herum, versuchte mit zittrigen Fingern den Reißverschluss hochzuzerren.

"Yes!", hörte er eine weitere Stimme in der Nachbarkabine grölen und schlagartig überfiel ihn ein unbehagliches Gefühl.

Bloß weg hier, dachte er panisch ...

Buchcoverabbildung zu Antje Szillats Buch "Motiv:Angst!"

11. Eintrag (20.01.2008)

Und plötzlich ging alles ganz schnell

Was macht man mit einem Buchprojekt, über das man brütet und grübelt und das sich irgendwie nicht von der Stelle bewegt?

Bevor es einen in den Wahnsinn treibt, lieber auf Eis oder für immer in die Schublade mit der Aufschrift "War nichts" legen? Daran verzweifeln, weil man einfach nicht dort ankommt, wo man ursprünglich ankommen wollte?

Ich muss gestehen: ich weiß es nicht!

Und weil ich es nicht wusste, ging dann plötzlich alles ganz schnell.

Wir, also meine Schreibpartnerin und ich, haben es an den Mann bzw. Verlag gebracht.

Genau in dem Moment, in dem wir es "auf Eis" legen wollten und uns einem anderen - vielversprechenderen Projekt - zuwenden wollten.

Und nun heißt es, ordentlich in die Tasten hauen, damit es endlich fertig wird. Ja, endlich ist der richtige Ausdruck.

Dieses Buch oder besser gesagt die Beschäftigung mit diesem Projekt, hat in mir tiefe Zweifel aufkommen lassen. Ich habe mich so oft, wie nie zuvor gefragt: Was machst du hier eigentlich? Hat das alles überhaupt einen Sinn?

Einer meiner Lieblingsorte sind Buchhandlungen, je größer, je lieber. Ich halte mich dort so richtig gerne auf, fühle mich pudelwohl und habe stets das Gefühl, dass dieser Ort von einer ganz besonderen Magie umwoben ist.
"Blätter, die die Welt bedeuten."
Doch während ich dort sonst immer Inspiration, Antrieb, Ehrgeiz und Verbundenheit empfunden hatte, fühlte ich mich dort in der letzten Zeit jedes Mal tief deprimiert.

Bücher ... Bücher ... Bücher ...

So viele Menschen, die schreiben und es geschafft haben, veröffentlicht zu werden.
Und haben die nicht sowieso schon alles geschrieben, über das es sich zu schreiben lohnt?
Braucht die Buchbranche wirklich noch neue Bücher? Neue Autorinnen und Autoren?

Ich will ehrlich sein: Die letzten Wochen haben mich fast verzweifeln lassen. Mich immer wieder neu zu motivieren; immer wieder neue Versuche starten, immer wieder neue Enttäuschungen verkraften ...
Viel Spaß hat mir die Schreiberei in den letzen Wochen wirklich nicht gemacht.

Ich hoffe, dass der Spaß, der Mut und die positiven Gedanken nun bald zurückkommen werden.

Ich halte euch auf dem Laufenden – drückt mir die Daumen!

Eure Antje

PS: Zwei hungrige Dummköpfe

Eine Fliege wurde von zwei hungrigen Chamäleons entdeckt. Schnell bemerkte sie ihre Not. Da fragte sie die beiden: "Wollen wir testen, wer von uns am höchsten fliegen kann?" Die Chamäleons dachten sich: "So eine dumme Fliege, die schnappen wir uns."
"Klar" antworteten sie und leckten sich schon gierig die Mäuler.
Die Fliege schoss hoch in die Luft. Die Chamäleons kletterten gleichzeitig an einem Baum hoch und versuchten die Fliege mit ihren langen klebrigen Zungen zu erwischen. Doch die Fliege wich geschickt aus, sodass sich die beiden Zungen der Chamäleons trafen und fest aneinander klebten. Die Fliege streckte den beiden hungrigen Dummköpfen die Zunge raus und flog fröhlich davon.

Und die Moral von dieser Geschichte ist: Leg dich nicht mit Fliegen an, wenn du selbst nicht fliegen kannst!

Jana Eppel, 9 Jahre alt.

10. Eintrag (21.12.2007)

Verkaufsgespräch oder wie man sein Manuskript an den "Mann" bringt

Ich bin ein Telefonmensch! Was heißen soll, ich kann mich am Telefon bestens "verkaufen". Wenn ich nicht Autorin und Lerntherapeutin geworden wäre, hätte ich sicherlich eine steile Karriere als Telefonverkäuferin machen können. Ich rede eben gerne - ja, ich rede wirklich richtig gerne. Manchmal rede ich vielleicht sogar ein bisschen zu viel und manchmal kann ich auch überhaupt nicht mehr aufhören zu reden.

An genau solch einem Tag hatte ich den Verleger X angerufen und ihn auch prompt am Hörer. Damit war er praktisch so gut wie erledigt ...
Dem armen Mann blieb nichts anderes übrig, als mich zu einem persönlichen Gespräch in seinen Verlag einzuladen, damit ich ihm meine (unsere) fantastische Buchidee samt Exposé und Probekapitel vorstellen konnte.

Wenige Tage später saßen wir im Auto und fuhren gen Westen.
Die Dame im Navi hatte den richtigen Weg fest im Griff und somit konnte ich mich (während des Autofahrens) voll auf das konzentrieren, was ich am liebsten mache - REDEN!
Der armen Kathrin klingelten sicherlich schon nach wenigen Kilometern die Ohren, doch sie ließ sich nichts anmerken und hielt durch.
Inmitten dieser ganz wunderbaren Autofahrt beschloss die freundliche Stimme des Navis, sich von uns zu verabschieden und schwieg beharrlich. Egal was wir unternahmen, sie weigerte sich. Also ausgeschaltet das Ding und den Weg (wie es früher schließlich überhaupt kein Problem war) auf eigene Faust gesucht.
Stolz kamen wir (mit einer unbedeutenden Verspätung von einer Stunde) im Verlag an und wurden trotzdem freundlich und herzlich vom Verleger persönlich und der zuständigen Lektorin empfangen.
Schnell in den Besprechungsraum geeilt, Kaffee und Gebäck serviert bekommen, sicherheitshalber noch das WC aufgesucht und dann konnte es endlich loslegen.
Ich verrate nicht zu viel, wenn ich erzähle, dass wir ein sehr angenehmes und sehr aufschlussreiches Gespräch führten. Ja, wir verstanden uns prima und redeten uns fast zwei Stunden die Köpfe und Stimmbänder heiß.
Wir kamen auch zu einem Ergebnis. Was uns allerdings zurück in die Planungsphase katapultieren würde, wenn ... ja, wenn ... wir uns darauf einlassen würden.
Bei der Verabschiedung meinte der sympatische Verleger: "Eigentlich lassen wir uns auf solche Gespräche, also bevor wir das Exposé einsehen konnten, überhaupt nicht ein. Aber wenn mich jemand am Telefon so von etwas überzeugt, was bleibt mir dann schon anderes übrig?"
Sag ich doch, ich hätte Telefonverkäuferin werden sollen ...

Wir stärkten uns bei McDonald's mit Hamburgern und Pommes und traten den Rückweg an. Die Navidame weigerte sich noch immer, uns den Weg zu zeigen und auf der Autobahn wartete ein kilometerlanger Stau auf uns. Irgendwann - es fühlte sich für mich wie "Jahre später" an - hatten wir endlich wieder heimischen Boden unter den Reifen.

Ja, wir haben den richtigen Weg gefunden - nicht nur, was die Autofahrt betrifft!

Schöne Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr,

Eure Antje Szillat

PS: Minka und der Weihnachtsbaum

Eine Geschichte von Katharina Mantey, 9 Jahre alt

Hallo Leute, ich bin die schlaue Katze Minka.
Wusstet Ihr eigentlich wie aus der Tanne der Weihnachtsbaum geworden ist?

Ich verrate es euch:
Sechs Wochen vor Heiligabend hatte der Weihnachtsmann mächtig Stress. Es gab einfach nicht genügend Werkstätten, in denen die 90 Milliarden Weihnachtsgeschenke für die Kinder hergestellt werden konnten.
Der Weihnachtsmann war ganz verzweifelt - er grübelte und grübelte. Schließlich fragte er seine Weihnachtselfen um Rat: "Denkt doch mal scharf nach. Wo könnt ihr Elfen denn nur arbeiten?"
Auf einmal rief Bertel, der größte aller Weihnachtselfen - er war nämlich einen Millimeter größer als die anderen Elfen: "Ich hab eine Idee. In den Tannen ... in den Tannen ... in den Tannen!"
Und die anderen Elfen riefen laut: "Gute Idee!" und der Weihnachtsmann rief noch lauter: "Spitze!"
Also machten sich die Weihnachtselfen auf den Weg und flogen in den Wald zu den Tannen.
Sie arbeiteten fleißig und stellten die schönsten Weihnachtsgeschenke her. Dann versteckten sie die Geschenke in den Zweigen der Tannen - ihr müsst nämlich wissen, dass die Geschenke ganz winzig klein waren und erst im Haus der Menschen dann zu ihrer Originalgröße heranwuchsen.
Als alles fertig war, brachten die Elfen die Tannen in die Häuser der Menschen - natürlich heimlich. Sie schmückten die Bäume mit bunten Kugeln und holten die winzigen Geschenke aus den Zweigen hervor. Dann legten sie die Geschenke unter die Tannenbäume und ruck zuck wurden sie groß.
Schließlich flogen die Weihnachtselfen schnell zurück zum Nordpol, wo der Weihnachtsmann sie schon sehnsüchtig erwartete. Der Weihnachtsmann war heilfroh, dass alles so gut geklappt hatte und bedankte sich bei seinen klugen und fleißigen kleinen Gehilfen.
Die Pause hatte ihm richtig gut getan und so machte er sich auf den Weg, um die restlichen Geschenke zu verteilen. Er staunte nicht schlecht, als er in den Häusern die ganzen bunt geschmückten Tannenbäume erblickte. Und auch die Menschen waren so begeistert von den leuchtenden Bäumen, dass sie von nun an jedes Weihnachtsfest Tannenbäume aufstellten.
Und so wurde aus der Tanne der Weihnachtsbaum.

Bis bald, Eure Minka

09. Eintrag (23.11.2007)

Endlich zurück zum Buch ... (gemeinsames Brainstorming)

Draußen regnete es Bindfäden, drinnen bollerte der Kamin.
Vor uns auf dem Tisch kündeten ein Teller mit Keksen, Mandarinen und Nüssen und ein Gesteck mit roten Kerzen die bevorstehende Adventszeit an.
Um uns herum standen aufgereiht wie die Zinnsoldaten "die Blätter, die die Welt bedeuten" in bis unter die Decke reichenden Bücherregalen. An den Wänden, die nicht mit Regalen belegt waren, hingen zahlreiche Bilder, die nicht nur den Raum schmückten, sondern auch etwas zum Ausdruck brachten. Aber eigentlich war der ganze Raum mit diesem "Gedanken" angefüllt, und ich fühlte mich wie in ein Buch hineingeführt, welches ich schon seit Jahren einmal besuchen will.
Alles war ruhig und unendlich entspannend und ich begann, die "wahre" Welt um mich herum zu vergessen.
Wie gebannt starrte ich auf die weißen Kärtchen, die sich, sortiert nach einem bestimmten System, auf dem Tisch befanden.
Wir schoben sie uns zu - hin und her, genauso wie unsere Gedanken, die sich fast magisch miteinander ergänzten ... aufbauten ... sich ausweiteten ... miteinander spielten ...

Wie oft hatte ich in den letzten Jahren meinen Schülern etwas von Buchstaben, die lebendig werden, Absätzen, die in der Lage sind zu atmen, Kapiteln, die es schaffen, in fremde Welten zu entführen, kurz, von lebendiger Literatur erzählt. Und nun saß ich hier, wie in eines dieser Bücher tief eingesogen, und spürte das, was ich seit Jahren erzähle, geradezu körperlich.
Meine Wangen glühten, meine Gedanken sprudelten, schäumten, liefen auf Hochtouren, jagten durch den Raum, fanden sich an einer anderen Stelle wieder, schossen neu sortiert zurück, um schließlich auf einem dieser kleinen wunderbaren Kärtchen zu landen und unser gemeinsames "Baby" noch runder, noch vollkommener, noch besser, noch einmaliger zu machen.
So saßen wir Stunde um Stunde, tauschten uns aus, probierten uns aus, ergänzten uns und stellten fest: Unser "Baby", nun schon ein "Kleinkind", beginnt langsam und sicher zu laufen.

Ab jetzt dürft ihr wirklich gespannt sein!

Eure Antje

PS: Der Weihnachtswunsch 

Eine Geschichte von: Darleen (9), Philipp (10), Denise (11), Caroline (10) und Franziska (13 Jahre)

Die ganze Sache begann damit, dass Willis Klassenlehrerin am letzten Schultag nach den Weihnachtswünschen ihrer Schüler fragte.
Sogleich prahlte Torben mit einer X-Box 360 und mindestens fünf neuen Spielen, die unterm Weihnachtsbaum auf ihn warten würden.
Und Nele war sich ganz sicher, ein neues Handy geschenkt zu bekommen.
Im Handumdrehen hatte sich das Klassenzimmer in einen riesigen Wunschzettel verwandelt. Jeder wollte unbedingt seine Erwartungen für das diesjährige Weihnachtsfest lauthals verkünden.
Nur einer schwieg.
Willi saß da und sah staunend in die Runde seiner rotwangigen Mitschüler.
"Und du, Willi? Was wünscht du dir zu Weihnachten?", wollte die Lehrerin von ihm erfahren.
Willi sah sie fassungslos an.
"Das darf ich doch nicht sagen!", empörte er sich.
"Und warum nicht?", bohrte die Lehrerin weiter.
"Na, das ist doch wohl ganz klar."
Willi schüttelte den Kopf und bedachte seine Lehrerin mit einem mitleidigen Blick.
"Du machst mich wirklich neugierig", erwiderte sie lächelnd.
"Weihnachtswünsche verrät man nur dem Weihnachtsmann. Und sonst niemanden", erklärte Willi mit fester Stimme.
Im Klassenzimmer brach tosendes Gelächter aus.
"Ich fasse es nicht. Der glaubt doch wirklich noch an den Weihnachtsmann", kreischte Jan.
Und Simone meinte: "Was fürn Baby!"
Willis Gesicht begann zu glühen wie tausend Wunderkerzen.
"Aber", stammelte er, "sonst ... sonst ... gehen die Wünsche doch nicht in Erfüllung."
Martin hielt sich den Bauch vor Lachen.
"Sag mal, bist du so dumm oder tust du nur so? Den Weihnachtsmann gibt es doch gar nicht. Das weiß doch schon jedes Baby", gluckste er.
Die Lehrerin wollte Willi zur Hilfe kommen."Nun lasst bitte den Willi in Ruhe. Jeder darf an das glauben, an das er glauben möchte", bestimmte sie und legte Willi versöhnlich die Hand auf die Schulter.
Doch Willi hatte sich wieder gefangen.
"Ich werde es euch beweisen, dass es den Weihnachtsmann wirklich gibt", rief er.
"Und wie willst du das anstellen?", fragten die anderen Kinder.
Statt einer Antwort riss Willi einen Zettel aus seinem Heft und kritzelte ein paar Wörter drauf. Dann faltete er den Zettel so oft, bis der ganz klein und dick war und übergab ihn der Lehrerin.
"Darauf steht mein Weihnachtswunsch. Der Weihnachtsmann weiß schon Bescheid. Ich hab es ihm geschrieben. Am ersten Weihnachtstag dürfen sie den Zettel öffnen. Aber nicht vorher, sonst geht mein Wunsch nicht in Erfüllung."
Das laute Schrillen der Schulglocke verkündete das Ende des Unterrichts und den Beginn der Weihnachtsferien und ersparte der Lehrerin eine Antwort.
"Ich wünsche euch allen ein schönes Weihnachtsfest und erholsame Ferien", rief sie stattdessen ihren davoneilenden Schülern hinterher.
Auch Willi war verschwunden.
Sie betrachtete den zusammengefalteten Zettel in ihrer Hand und steckte ihn, ohne weiter darüber nachzudenken, in ihre Manteltasche.

Der Morgen des 24. Dezembers begann mit Regen und somit wollte auch keine richtige Weihnachtsstimmung aufkommen.
In den Geschäften eilten die letzten Kunden genervt und schlechtgelaunt durch die Gänge, auf der verzweifelten Suche, nach letzten Geschenken und Besorgungen.
An jeder Ecke konnte man Menschen hören, die sich lauthals über das Sauwetter beschwerten.
Und auf den Kindergesichtern spiegelte sich die Enttäuschung über den fehlenden Schnee deutlich wieder.
Doch mit der Dunkelheit fiel der erste Schnee.
Anfangs schwebten die zarten Flocken zögerlich der Erde entgegen, dann wurden sie schneller und mutiger und schon bald war der ganze Himmel übersät von den weißen tanzenden Flocken.
Die ganze Welt wurde in ein weiches Weiß gehüllt und plötzlich spürte man, dass es Weihnachten war.
Eine unbeschreibliche Stimmung hing in der Luft, man konnte sie geradezu riechen, schmecken und spüren.
Weihnachten - weiße Weihnachten. Was für eine Magie!
Am ersten Weihnachtstag machte die Lehrerin mit ihrem Mann einen Spaziergang durch die herrliche weiße Winterlandschaft. Der Schnee glitzerte und die Luft klirrte vor Kälte.
"Weiße Weihnachten. Wie lange haben wir das nicht mehr gehabt", schwärmte sie.
Sie steckte die Hände tief in ihre Manteltaschen und bemerkte plötzlich einen kleinen zusammengefalteten Zettel dadrin.
Es war der Wunschzettel von Willi. Sie hatte ihn schon ganz vergessen.
Die Lehrerin faltete das Papier langsam auseinander und las leise was darauf geschrieben stand:
Ich habe mir gewünscht, dass es am Heiligen Abend zu schneien beginnt.
Willi

08. Eintrag (04.11.2007):

Ein Schrei in der Nacht. Oder: Ich hab das Grauen gesehen!

Was ist das Schlimmste für einen Autor?
Wenn niemand seine Bücher verlegen, lesen, kaufen, ... verstehen möchte?
Oder vielleicht das ewige Schreiben "für die Schublade"? Oder wenn einem absolut nichts mehr einfällt? Eine fette Schreibblockade - Brett vorm Kopf - Zementbirne - völliger Hohlraum auf den Schultern?
Denkt Ihr wirklich, das ist schlimm? Meint Ihr echt, das macht einen Autor fertig?
Nein, das sind absolut lächerliche Probleme - das ist Peanuts!
Ich habe das Grauen gesehen - ich habe den verzweifelten Schrei in die finstere Nacht hinaus gekreischt.
Alles weg! Einfach alles weg!
Meine ganze Festplatte ist abgestürzt, sämtliche Dateien sind verschwunden. Alles, wirklich alles, was ich in den letzten Jahren in diesen Computer gedroschen habe, ist vernichtet.
Meine ganze Arbeit, meine Gedanken, meine Texte, meine Zeit, meine Emotionen - zerstört!
Könnt Ihr Euch vorstellen, wie es mir geht? Habt Ihr eine Ahnung, was ich gerade durchmache?
Wut, Trauer, Verzweifelung und Ohnmacht wechseln sich im Sekundenrhythmus ab. Ich, die geborene Optimistin, habe das Lager gewechselt und bin dem Club der Pessimisten beigetreten.
Ich trage schwarz und habe beschlossen von nun an zu meinen grauen Haaren zu stehen und meine Falten offen zur Schau zu tragen. Jeder soll sehen, wie es in mir drin aussieht.
Ich will Mitleid, ich will Verständnis, ich will getröstet und bedauert werden - ich will auf den Arm.
Und da bliebe ich dann, bis einer rufen würde: "Hey, Antje ... aufwachen! Du hattest nur einen bösen Traum!"
Pfui Teufel, was für ein hinterhältiger Mistkerl von einem Traum, würde ich dann antworten, mir den Schlaf aus den Augen reiben und meine Mitgliedschaft im Optimistenverein auf "lebenslang" verlängern.
Doch was soll ich Euch sagen; ich habe mir in die Arme gekniffen, bis es keine hämatomfreie Stelle mehr auf ihnen gab, nur um zu begreifen, was Lucas (meine linke Gehirnhälfte) schon lange vor Ronja (meine rechte Gehirnhälfte) wusste: d a s w a r s!!!
Ich kehre hauptberuflich zurück an Heim und Herd und werde mich in den Vorsitz von "Frauen an die Stricknadeln", "Alles wird gut", "Starke Mütter braucht das Land", "Keine Macht den Plastiktüten" und natürlich "Mehr Jungs in Ballettschuhe" wählen lassen. In meiner knappen Freizeit werde ich mit meinen Kindern durch Wiesen und Wälder laufen und es mir zur Aufgabe machen, Regenwürmer vor dem Austrocknen zu bewahren.
Ja, so wird mein neues Leben aussehen.
Adieu, ihr Buchstaben - macht's gut, ihr Wörter - by, by, ihr Absätze - ich werde euch nie vergessen, ihr Kapitel ...
Und plötzlich wird ein Mann kommen - ein stattlicher Mann - und wird SIE (die sich gerade eine geblümte Schürze umgebunden hat) aus der Finsternis hinaus begleiten.
Raus in das helle Licht, hinein ins pralle Leben, ran den PC, ihn hochfahren und alles wieder gut machen.
Und dann säuselt SIE beglückt und voller titanischer Bewunderung: "Schatz, aber Schatz ... wie hast du das nur gemacht?"
Und ER zuckt betont lässig mit den Schultern, gibt ihr einen Klaps (was er sich sonst NIE wagen würde) auf den Po und antwortet: "Ach, Zuckerschnute, Frauen müssen doch nicht alles wissen."
Die Regenwürmer und Stricknadel müssen noch ein bisschen warten ... Antje is back!

PS: Um nicht ganz so dumm dazustehen (man bzw. Frau hat schließlich auch ihren Stolz) ... Natürlich hatte ich alles auf einer externen Festplatte abgespeichert. Ist doch wohl klar. Oder?

PPS: Explosives Intelligenz-Abenteuer!
Merle Leinemann, 9 Jahre

Der schüchterne und etwas dümmliche Herr Bremer hatte eine Leidenschaft; er ging zu gerne ins Restaurant zum Essen. Eines Tages entdeckte er ein ganz Neues: ein Literaturcafe. Voller Freude, weil er Bücher gerne mochte, ging er in das Cafe und bestellte das Tagesmenü mit dem interessanten Namen "Explosives Intelligenz-Abenteuer". Und plötzlich geschah etwas ganz wunderbares. Sobald er den letzten Happen verspeist hatte, war er schlau und mutig. Ihm fielen die tollsten chemischen Formeln ein und von nun an quoll sein Portmonee fast über vor lauter Geld. Eine der Nebenwirkungen hatte das Ganze allerdings; ihm wurde ständig heiß. Doch er fühlte sich, als könnte er fliegen und traute es sich zu, von einer Klippe mit einem Seil herunterzuspringen. Er meldete sich in einem Sportverein an, belegte Abendkurse, war der klügste, beste, mutigste von allen.
Doch nach ein par Tagen war alles vorbei. Denn sobald das Essen vollständig verdaut war, verlor es auch seine Wirkung und alles wurde wieder so, wie es zuvor war.

Wollt Ihr trotzdem das Rezept wissen? Hier ist es:

Zutaten:

* 1 kg Intelligenz
* 10 Msp. Fleiß
* 500 g Mut
* 750 g Reichtum
* 2 Phönixfedern
* 100 ml Spiritus

Zubereitung:
Knete Intelligenz mit Mut und Reichtum zusammen. Stecke die Phönixfeder in die Masse und reibe es mit Spiritus ein. Flambiere es 2 sec. lang, fertig ist das Gericht.
Wer dieses Gericht verspeist, erlebt sein persönliches Wunder ...
Für eventuelle auftretende Nebenwirkungen, wird keine Garantie übernommen.

Merle Leinemann, 9 Jahre

07. Eintrag (21.10.2007):

Ein Tag in Frankfurt (wichtig!)

Bücher ... Bücher ... Bücher ...
Ich habe so viele Bücher gesehen, bin davon so übersättigt, dass ich nicht mal weiß, ob ich jemals wieder Klopapier verwenden werde.
In Sachen Literatur (was auch sonst) war ich in den riesigen Hallen der Frankfurter Buchmesse unterwegs. Meine Schwester (die unbedingt Bücherstars- und Sternchen sehen wollte) fest im Schlepptau. Was eigentlich nicht stimmte, denn sie blieb ständig irgendwo stehen, und zwar immer dann, wenn ein Fernsehteam sich irgendwo aufbaute oder bereits im Gange war.
"Warte! Hier kommt gleich ein ganz Wichtiger oder auch eine ganz Wichtige ...", rief sie mir aufgeregt zu und war schon wieder in irgendeinem Seitengang verschwunden.
Ich hetzte hinterher - ihr und meiner zuvor wohl verplanten Zeit.
Termine hatte ich gemacht, mit wichtigen Büchermenschen, die aus mir eine wichtige Bücherfrau machen sollten.
Nach zahlreichen völlig überflüssigen Zwischenstopps, hatte ich dann endlich mein erstes Ziel erreicht: den Stand "meines" Verlages mitsamt seinem Pressesprecher.
Wie immer war ich cool und voller Witz und unglaublich wortgewandt. Natürlich sah ich umwerfend aus und war nach dem neusten Trend gekleidet. (Man kann ja nie wissen, ob nicht hinter irgendeinem Bücherberg die Kamera des "Unsichtbaren" lauert.)
Kurzes, aber unglaublich herzliches Händeschütteln, lobende Worte rasend schnell wie einen Ping-Pong-Ball hin-und hergeschmettert und schon sind wir in einen kreativen Gedankenaustausch vertieft.
Ach, bin ich WICHTIG! Ach, fühle ich mich WICHTIG! Nur leider kam genau in diesem Moment ein viel wichtigerer, unglaublich gut schreibender und aussehender Mensch herangeeilt.
"Wie sehen uns ...", und weg war er, der, der aus mir doch auch eine unglaublich Wichtige, eine Noch-Wichtigere machen sollte.
Was fürn Blödmann, dachte ich kurz und überlegte, ob ich den Typ beim nächsten Treffen "keines Blickes würdigen" oder einfach locker und geschmeidig "über den Dingen stehen" sollte.
Mir blieb allerdings nicht viel Zeit zum Überlegen, denn meine Schwester hatte SIE entdeckt - ihre Lieblingsautorin!
Also rannte sie los und ich hinterher - mein Zeitplan war inzwischen sowieso für die Katz.
Doch nachdem wir festgestellt hatten, das SIE überhaupt nicht DIE war, für DIE meine Schwester SIE gehalten hatte, konnte ich zum nächsten Termin weitereilen.
Da war alles viel schöner und viel netter und viel freundlicher und viel kleiner und es versöhnte mich mit der Bücherbranche und den Menschen hinter dem Papier.
Ich wäre gerne noch länger geblieben, doch schon wartete eine wichtige Autorin auf mich, mit der ich ein wichtiges Interview führen wollte (diesmal hinter der Kamera).
Ich mache es kurz (wer mich kennt, weiß ja, wie schwer mir gerade das fällt): Die Frau war eine Enttäuschung. Am Telefon und per Mail war sie so nett und unkompliziert gewesen und nun ... Total ätzend und überheblich und abgedreht und sich für sooo unglaublich wichtig haltend. Zum Abschied schüttelte sie mir die Hand, ohne mich dabei anzuschauen. Nee, über die schreibe ich nie wieder auch nur eine Zeile!
Das nächste Treffen stimmte mich wieder etwas fröhlicher - ein ganz toller und super sympatischer Autor. Und auch die beiden darauffolgenden Verlage bzw. die Menschen dort erinnerten mich wieder daran, warum mir dieser Job so viel Spaß macht.
Der Tag ging zu Ende, unsere Füße schmerzten, die Köpfe waren voller Eindrücke (schöne und weniger schöne), die Gänge wollten einfach kein Ende nehmen, mein Auto war plötzlich nicht mehr dort, wo ich es am Morgen abgestellt hatte (wir fanden es schließlich doch - an einer ganz anderen Stelle, da bin ich mir total sicher), und schließlich befanden wir uns mitten im Stau.
Wir erreichten unser Hotel eine Stunde später, nur um zu erfahren, dass man unser nettes Doppelzimmer anderweitig vergeben hatte (weil wir ja bis 18.00 Uhr hätten eingechecken müssen).
Ich war zu schwach, um zu protestieren (und den Mann darüber aufzuklären, dass ich doch sicherlich bald eine ganz wichtige Autorin sein würde), meine Schwester sowieso total am Ende ... also fuhren wir nach Hause.
Als ich um Mitternacht endlich in mein heimisches Bett sank, kreiste eine nicht zu beantwortende Frage durch mein Hirn: "Wie wichtig ist es eigentlich, wichtig zu sein?"
Ich konnte nicht einschlafen, vorsichtig schlich ich mich von Bett zu Bett - da lagen sie nun und träumten friedlich vor sich hin: die wichtigsten Menschen auf dieser Erde, in meinem Leben und in meinem Herzen.

Bis bald,
Eure Antje


PS: Alles nur geträumt

Wie komisch!
Merle wundert sich sehr, als sie in den Garten kommt.
Plötzlich steht da ein Pferd.
Ein ganz buntes mit freundlichen Augen.
Gestern stand im Garten noch kein Pferd.
Ganz sicher nicht.
Nur der Baum, Mamas Blumenbeet, die Schaukel und die Sandkiste.
Aber kein Pferd!
Wo es bloß herkommt und wem es wohl gehört?
Merle liebt Pferde.
Schnell rennt sie ins Haus und sucht nach Möhren.
Pferde lieben Möhren, das weiß Merle schon.
Mama staunt: "Was willst du denn mit dem Eimer voll Möhren?"
"Das Pferd füttern", antwortet sie und läuft schnell wieder in den Garten zurück.
Doch als sie direkt vor dem Pferd steht, bekommt sie ein bisschen Angst.
Was, wenn es doch nicht so freundlich ist, wie es aussieht?
Lieber den Eimer abstellen, denkt sie und versteckt eine Möhre hinter ihrem Rücken.
Das bunte Pferd kommt langsam auf sie zu.
Dann bleibt es stehen - direkt vor Merle.
Es zwinkert ihr zu.
Ja wirklich, es zwinkert.
"Wie heißt du denn?", will Merle wissen.
Das bunte Pferd antwortet: "Ich heiße Flecky."
"Du kannst ja sprechen", wundert sich Merle, "wem gehörst du denn?"
"Dir!", sagt das bunte Pferd.
"Mir?", Merle glaubt es kaum.
"Ja, dir!", sagt das Pferd noch einmal.
"Wirklich und für immer?", will Merle erfahren.
"Wirklich und für immer!", meint das bunte Pferd.
Merle ist überglücklich - endlich ein Pferd.
Das ist ihr allergrößter Wunsch ... schon immer ... solange sie denken kann.
"Merle, aufstehen!", ruft Mama.
Wieso aufstehen?, wundert sich Merle.
Ich stehe doch schon längst.
"Hoch meine kleine Schlafmaus, du musst in den Kindergarten.", ruft die Mama wieder.
Mit einem Satz springt Merle aus ihrem Bett.
Schnell läuft sie zum Fenster und schaut hinunter in den Garten.
Sie sieht den Baum, Mamas Blumenbeet, die Schaukel und die Sandkiste ... aber weit und breit kein Pferd.
Merle reibt sich die Augen und schaut noch einmal ganz genau hin.
Kein Pferd.
Alles war nur geträumt.

Darleen Szillat, 10 Jahre alt

06. Eintrag (04.10.2007):

Eigentlich ... komme ich bald auf den Punkt!

Eigentlich soll ich ja nicht so viel Kaffee trinken, doch heute Nacht bin ich um vier Uhr aufgestanden, weil ich eine sehr dringende Arbeit für meine Schreibfüchse zu erledigen hatte und wenn ich jetzt keinen Kaffee tränke, würde ich nicht richtig wach werden und befände mich nicht in der Lage, diese wichtige Arbeit für meine Schreibfüchse zu erledigen und dann wären meine Schreibfüchse enttäuscht, der Chefredakteur - für den diese wichtige Arbeit bestimmt ist - unzufrieden und ich unglücklich, weil ich diese wichtige Arbeit nicht vernünftig erledigen konnte.

Puh ... was für ein entsetzlicher Bandwurmsatz.

Übrigens; Kapitel 6 beschäftigt sich genau mit diesem Thema:
"Vermeide Bandwurmsätze"!

Ansonsten befinden wir (wenn ich WIR schreibe, dann meine ich damit meine Schreibpartnerin Kathrin und mich) uns gerade in der Phase: Planung und Vertragsabschluss. Anschließend werden wir uns endlich auf die Suche begeben.

Gleichzeitig habe ich mit der Überarbeitung der ersten vier Kapitel begonnen. Weshalb ich auch ständig mit Kathrin Mails austausche und wir unsere Telefonhörer zum glühen bringen - schließlich sind wir ein Schreib-Duo, da gehört ein reger und ständiger Austausch unbedingt dazu.
Soweit der aktuelle Stand meines/unseres Buchprojekts.

Heute nur ganz kurz und knapp, einfach schnell den aktuellen Stand mitgeteilt.
Mehr nicht!

Diese kurze und knappe Berichterstattung (die eigentlich niemand, der schon einmal mit mir gearbeitet hat, von mir kennt ... ich bin ja eher der "blumige Typ", der manchmal selbst die Schokolade zum Schreien bringt) hat auch seinen guten Grund; ich möchte heute (mit ganz viel Kaffee und wenig Schokolade) mehr von meinen Schreibfüchsen und meinen Erfahrungen mit Schreibgruppen berichten.

Schnell auch noch den Grund dafür erklärt; kurz und knapp (hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass es nicht meiner Art entspricht ...?).

Also der Grund dafür ... da fällt mir gerade etwas ein, was ich unbedingt mal los werden möchte: Habt ihr eigentlich ein Lieblingswort? Ich habe ein Lieblingswort: Eigentlich! Eigentlich ist eigentlich mein Lieblingswort.

Eigentlich benutze ich eigentlich ständig und eigentlich auch viel zu häufig (das merke ich daran, dass beim Redigieren einige meiner "Eigentlichs" plötzlich verschwinden ...).
Eigentlich finde ich das sehr schade, denn eigentlich ist es ja mein Lieblingswort, doch eigentlich ist es natürlich richtig, denn eigentlich ist das Wort eigentlich viel zu häufig in meinen Texten vertreten ...

Oder?

Könnt Ihr mir noch folgen?

Kann gut sein, dass ich verrückt werde, denn der Kaffee ist alle und wenn ich jetzt nicht augenblicklich einen Kaffee zu trinken bekommen, dann müsste ich eigentlich zu meiner Nachbarin gehen und sie um Kaffee anbetteln, doch eigentlich geht das nicht, denn meine Nachbarin wird noch tief und fest schlafen - schließlich ist es erst 4:30 Uhr morgens und eigentlich liegen um diese Zeit die meisten Menschen noch im Bett - was ich wohl eigentlich auch besser tun sollte, denn ohne Kaffee geht hier sowieso nichts mehr ...

STOPP!!!

Zu oft eigentlich, zu viele Bandwurmsätze - Mensch, Antje, hast du es nach all den Jahren noch immer nicht gelernt!?

Schreiben ist ein Handwerk, das man erlernen kann ...

Vermeide Bandwurmsätze und umständliche Redewendungen - schweif nicht zu sehr ab, hol nicht zu weit aus, lass wilde Wortakrobatiken weg und konzentriere dich auf das Wesentliche, teile dem Leser nur mit, was er wirklich wissen will und wissen muss ...

Woche für Woche erzähle ich das meinen Schreibfüchsen und den anderen zahlreichen Teilnehmern meiner Schreibgruppen (hatte ich eigentlich schon einmal erwähnt, dass ich kaffeesüchtig bin?).

Ja, meine Schreibfüchse - wie das funktioniert mit meinen Schreibfüchsen, diese Frage wurde mir in den letzten Wochen recht häufig gestellt.

Was sollte man (gerne auch Frau) beherzigen, um über eine längere Zeit "erfolgreich" eine Schreibgruppe leiten und am laufen halten zu können?

Unbedingt die Kinder und ihre Texte ernst nehmen.

Nicht auf  das "große" Geld hoffen - die VHS zahlen mittelmäßig und die meisten Eltern sind nicht bereit, für "kreatives Schreiben für Kinder und Jugendliche" Geld (und wenn dann nur ganz wenig) auszugeben.

Nur Schreiben bringt es nicht. Die Kids brauchen absolut ein Ziel, auf das sie hinschreiben können. Meine Schreibfüchse sind schon seit längerer Zeit "Textlieferanten" für einige regionale Tageszeitungen.
Außerdem sind wir inzwischen in einer Kirchengemeinde untergekommen und versorgen nun auch die "Kirchenmagazine" mit spannenden Geschichten und rasanten Reimen.

Das eigene Ego hintendran stellen - ganz, ganz wichtig. Es geht um die Kids und deren Texte, nicht um die Schreibgruppenleiterin. Deren Texte und Erfolge sind völlig zweitrangig und haben in einer Schreibgruppe für Kinder und Jugendliche absolut nichts zu suchen.
Wer also nicht in der Lage ist, sein Ego hintendran zu stellen, sollte unbedingt die Finger von Kinder- und Jugendschreibgruppen lassen.

Neulich habe ich von einer "Kollegin" gelesen, die eine Ferienschreibgruppe veranstaltet hatte. Auf ihrer Internetseite war das Ergebnis der Ferienschreibwerkstatt "für Kinder im Alter zwischen 8 und 12 Jahren" zu finden. Doch wer sich nun fantasievolle Texte und lustige Abenteuer der schreibbegeisterten Kids erhofft hatte, wurde schnell enttäuscht. Seite für Seite Selbstbeweihräucherung der "Autorin und Schreibgruppenleiterin", Text an Text nur von der Dame - weit und breit keine Zeile von den Kids.

Ich fürchte, diese Dame hatte hier ganz gewaltig etwas missverstanden.
Am liebsten hätte ich ihr zugerufen "Hey, Frau Superweib, hier geht es um die Kids und nicht um DICH!"

Natürlich gibt es auch ganz andere Beispiele und nicht nur "meine" Schreibfüchse sind glückliche Schreibkids.

Einer meiner besten Freunde (und Vorbilder) ist der Kinder- und Jugendbuchautor Stefan Gemmel (der übrigens gerade das Bundesverdienstkreuz - unter anderem - für seine ehrenamtliche Arbeit mit Kindern und Jugendlichen verliehen bekommen hat).
Stefans "Wüstenschreiber" (so heißt  seine Schreibgruppe, die er seit vielen Jahren ehrenamtlich betreut) haben bereits zwei Buchprojekte veröffentlichen können. Wer die Projekte kennt, wird hier genau das Gegenteil (und so, wie es eigentlich auch sein sollte) entdecken - von und über Stefan lediglich ein kurzer Satz, die Aufmerksamkeit liegt ganz und gar bei den jugendlichen Wüstenschreibern. Hier arbeitet jemand mit Kindern, weil es ihm um die Kids geht und nicht um sein persönliches Ego. Ganz wunderbar!

Genauso kann ich über meine liebe Kollegin und Autorenfreundin Kathrin Lange berichten. Ihre "Schreibfüchse" (die heißen wirklich genauso ...) haben auch schon ein Buch veröffentlichen können - dank Kathrin und weil sie sich selbst in den Hintergrund rücken kann.
Auch Kathrin weiß, worum es bei der Betreuung und Förderung von jungen Schreibtalenten geht: um die Kids und nicht um uns!

Wer nun auch Lust bekommen hat, sich auf junge Menschen "einzulassen", sie zu begleiten und zu fördern, der sollte sich auf jeden Fall zuerst die Frage stellen: "Geht es mir um die Kinder oder geht es mir um mein Ego und meine Bekanntheit?"

Und was das Thema Geld verdienen betrifft, so möchte ich auch hier gleich den Menschen, die diesen Grund als ihre Motivation angeben, den Wind aus den Segeln nehmen; Geld kann man damit garantiert nicht verdienen.

Ich jedenfalls wünschte mir (und da spreche ich ganz sicher auch für Stefan und Kathrin), dass nur Menschen, denen es wirklich um die Kinder geht, sich auf solch eine Tätigkeit einlassen. Das erspart den Kindern, aber auch denen, die sich etwas ganz anderes durch die Leitung und Betreuung (oder auch Gründung) einer Schreibgruppe für Kinder- und Jugendliche erhoffen, erhofft haben, eine große Enttäuschung.

In diesem Sinne wünsche ich Euch eine schöne, kreative und schreibbegeisterte Zeit,
Eure Antje

PS: Eine wahre Geschichte von Carolin Ptok, 11 Jahre alt.

Die Geschichte eines wunderbaren aber unglücklichen Hundes

Es war ein wunderschöner Frühlingstag, als der Labradorwelpe Dasty zur Familie Hoffmann nach Hause kam. Mutter Ina, Vater Frank und Tochter Sarah fanden den Kleinen echt süß. Sie gingen mit dem Hund viel spazieren und kümmerten sich liebevoll um ihn. Der kleine Welpe hatte von Anfang an große Angst vor allen Menschen. Familie Hoffmann machte sich deswegen große Sorgen. Ina und Sarah fuhren mit Dasty zur Hundeschule, damit er mehr Vertrauen gewinnen würde. Dasty aber bellte sogar den Trainer an, doch seine Angst verlor er nicht. Die Familie behielt Dasty trotzdem, auch wenn es viele Probleme mit ihm gab. Mit viel Geduld konnten die Hoffmanns nach langer Zeit doch sein Vertrauen gewinnen. Auch fremde Menschen bellte er nach einiger Zeit immer seltener an. Er wurde zur einem richtigen Liebling, nicht nur für die Familie. Auch die Nachbarn mochten ihn sehr. Er war ein besonderer Hund, der einmalig war. Als Dasty 3 Jahre alt war, wurde er vergiftet. Man weiß nicht, von wem das Gift kam. Am 28.01. Vormittags hatte Sarah mit Dasty draußen gespielt. Danach gingen sie ins Haus rein, weil es kalt wurde. Auf einmal zitterte Dasty sehr und kurze Zeit später brach er zusammen. Die Hoffmanns fuhren schnell mit Dasty zum Tierarzt. Schon unterwegs war der Hund ins Koma gefallen. Der Arzt stellte eine schwere Vergiftung fest. Er gab ihm Spritzen und Medikamente. Ina und Frank fuhren dann nach Hause. Alle drückten ihrem geliebten Hund die Daumen, dass er aus dem Koma erwachen wird und wieder gesund wird. 3 Stunden später mussten die Hoffmanns wieder in die Tierklinik fahren, weil sie sich über Dasty informieren wollten. Doch der Arzt musste ihnen leider mitteilen, dass ihr Hund es nicht überleben würde. Dasty starb vor den Augen von Frank und Ina.

Ich frage mich oft, welche Menschen so etwas den Tieren antun können.

Carolin Ptok, 11 Jahre alt.

05. Eintrag (25.09.2007):

Ein Trainer wäre klasse!

Es war um die Mittagszeit. Ich saß am Schreibtisch und machte eine Pause.
Starrte einfach nur zum Fenster raus und dachte nach. Ich dachte nach und nach ... und war einfach nicht in der Lage, auch nur eine Zeile zu schreiben. Völlig lust- und antriebslos hockte ich da und starrte vor mich hin.
Ach, ich hätte so gerne einen Trainer!

Besonders an diesen bestimmten Tagen. An denen einfach überhaupt nichts geht.
Ich sitze, nein, ich hänge dann an meinem Schreibtisch, starre auf meinen PC, glotze und schiele hinein, als wäre mein Bildschirm ein tiefer Abgrund, dessen Dunkelheit mich jeden Moment verschlingen wollte.
Hat das überhaupt alles einen Sinn, frage ich mich dann verzweifelt, während meine Kinder in Begleitung von mindestens vier weiteren Kindern durchs Haus toben und das "Bitte-nicht-stören"-Schild an meiner Tür völlig ignorieren.
Während im Garten unser Hund kläfft, als ob eine Großfamilie Katzen sich dort nieder gelassen hätte.
Während mein Mann alle zwei bis höchstens vier Minuten in mein Arbeitszimmer stürmt, um mich zu fragen, wo seine Socken, Brille, Zucker, Kaffee, Toilettenpapier und natürlich sein Kopf sich gerade befinden.

Ich fühle mich dann so schwach und hilflos und sehne mich nach meinem Bett - und vor allen Dingen nach meiner Bettdecke.
Aber bevor ich sie mir über den Kopf ziehen könnte, öffnete sich die Tür und er käme herein.
„Na, na, was ist denn hier los?“, riefe er mir mit fester Stimme zu.
„Jetzt machen wir erst einmal das und dann dieses und später noch jenes und dann auf jeden Fall noch einiges. Danach geht es dir gleich viel besser!“, würde er hinzu fügen.
Und zu meinen Kindern würde er sagen: "Und ihr lasst die Mama mal ein bisschen ungestört schreiben!
Jamie, du sagst deinen Kumpels, sie sollen nicht vierundzwanzig Mal in einer halben Stunde klingeln!
Darleen, du drehst die Musik nicht bis zum Anschlag auf und hörst sieben Stunden ohne Unterbrechung Silbermond!
Merle, du streitest nicht mit Darleen, wischt dir deinen Po selber ab und heulst nicht bei jeder Sache, die nicht so läuft, wie du es dir wünscht!
Marlon, und du wachst bitte nicht um 5:00 Uhr morgens auf, weigerst dich Mittagsschlaf zu machen, Gemüse zu essen, Haare waschen zu lassen und hörst sofort auf den Hund zu ärgern!"
Anschließend würde er sich meinen Mann vorknöpfen und ihm charmant, aber mit Nachdruck sagen: "Und du hilfst deiner Frau beim Haushalt und suchst deine Sachen gefälligst selbst zusammen!"

Nachdem er mir den verspannten Nacken massiert hätte, hockte er sich neben mich und sagte: "Nun schreiben wir. Los fang an! Bring den Satz zu Ende. Ja super, der Absatz ist richtig gut!
Mach weiter so. Mehr Verben, weniger Bandwurmsätze.
Nein, nicht dieses Begriff. Ja, so ist es besser.
Bleib sitzen, lass die Kinder streiten.
Du brauchst jetzt keinen Kaffee und erst recht keinen Kuchen, denk an deine Hüften.
Schreib weiter, nur nicht ablenken lassen.
Lass den Hund kläffen, der Postbote kann sich selbst helfen.
Ignoriere das Telefon, es ist sowieso nur Josef, der deinen Mann sprechen will.
Bleib dran, alles andere ist unwichtig.
Nur noch ein paar Zeilen. Ja, gleich hast du es geschafft.
Mach weiter so. Glaub an dich. Du schaffst es, gib bloß nicht auf!
Jetzt, ja, jetzt hast du es geschafft. Ich bin stolz auf dich!“
Dann brächte er mir ein kühles Getränk, tupfte mir den Schweiß von der Stirn, verhandelte mit dem Verlag und lobte mich ausgiebig.

Und sollte das alles natürlich nicht den gewünschten Erfolg bringen, dann würde ich ihn einfach entlassen und mir einen neuen Trainer suchen.
Ist doch wohl klar!

Eure Antje

Gäbe es Wesen, die den Menschen alle Wünsche erfüllen, so wären das keine Götter, sondern Dämonen.
(Friedrich Georg Jünger)

PS:
Und darüber habe ich mich in den letzten Tagen ganz besonders gefreut:
Eine E-Mail aus der brüllend heißen Wüste Arabiens von einer Kollegin:

Liebe Antje,

das ist klasse. Deine Gedankengänge finde ich absolut zutreffend. Ein Projekt anfangen und es TUN (Tag Und Nacht). Daran glauben und von sich überzeugt sein (ohne überheblich zu wirken). Wenn ich auf meine Leser treffe, dann sagen die meisten: "Ich wollte auch schon immer mal ein Buch schreiben. - Wie schreibt man eigentlich ein Buch?" Ich antworte dann immer: "... es einfach TUN."

Viele liebe Grüße, Katharina

PPS:

Ein Gedicht von Linda

1000 Träume kannst du träumen,
wahr wird davon höchstens einer.

1000 Wünsche kannst dir wünschen,
erfüllen werd'n sich mehr als keiner.

1000 Sehnsüchte kannst du spüren,
viele geh'n davon verloren.

1000 Glücke kannst du fühlen,
doch nur bei einem, wie neu geboren.

1000 Lieben kannst du lieben,
eine Liebe geht zu mir.

1000 Sterne kannst du sieben,
doch nur einer bleibt bei dir.

Doch nur 1 Leben kannst du leben,
drum darfst du dies auch nie vergeben.

Von Linda Kelm, 10 Jahre

04. Eintrag (13.09.2007):

Das erste Mal - und plötzlich waren wir zu zweit

Sicher ist das erste Mal etwas ganz Besonderes. Und damit meine ich nicht nur DAS erste Mal.
Alles, wirklich alles, was wir zum ersten Mal tun und erleben, ist aufregend. Selbst als Baby bekommen wir schon etwas von dieser eigenartigen und aufregenden Magie mit, mit der sich dieses erste Mal umgibt.
Der erste Zahn, das erste Vorwärtsrobben, der erste Schritt; stets begleitet und beobachtet von aufgeregten und freudig strahlenden Erwachsenen.
Und schon folgt der erste Schultag, der erste Kuss, die erste Liebe, der erste Job ... es kribbelt im ganzen Körper - die Luft vibriert, der Atem stockt.
Jedes erste Mal ist etwas ganz Einmaliges - manchmal nur ein Hauch, manchmal ein Orkan.
Und jedes erste Mal eröffnet sich für uns eine neue Welt, die uns ahnen lässt, wie aufregend und spannend das Leben noch werden kann.

Auch für mich gab es in den letzten Tagen einige erste Male; das erste Mal habe ich einen sehr guten Freund persönlich getroffen, das erste Mal war ich in Schloss Bellevue, das erste Mal hat mir Bundespräsident Horst Köhler die Hand geschüttelt, das erste Mal bin ich nachts durch Berlin gebummelt ... und das erste Mal habe ich mich mit Kathrin getroffen.

Das erste Mal werde ich nun ein Buch mit jemanden zusammen schreiben - das erste Mal bin ich Teil eines Autoren-Duos!

Unglaublich spannend, besonders das erste Treffen.
Werden wir uns mögen? Werden wir uns riechen können? Werden wir uns etwas zu sagen haben? Werden wir Momente der Stille als peinlich empfinden oder auch gut miteinander schweigen können?
Werden wir gemeinsam aus "meinem" Projekt ein erstklassiges "unser" Projekt hinbekommen können?

Telefonieren und mailen ist das eine; sich direkt gegenüber zu stehen, etwas ganz anderes.

Ich bin nicht mehr alleine - ich schreibe nun in einem Duo!

Wir konnten uns auf Anhieb riechen und sicherlich wird sich unsere Beziehung auch über das gemeinsame Schreiben hinaus ganz wunderbar entwickeln. Wir sind beide in einem Alter, wo man vorsichtig mit "neuen" Bekannten und Bekanntschaften ist. Freunde sprießen nicht einfach aus dem Boden - Freundschaften entstehen nicht einfach über Nacht. Eine Freundschaft muss man sich verdienen; mit Zuhören und Dasein, mit Interesse und Hilfsbereitschaft, mit Zusammenhalt und Verständnis.

Und noch ein erstes Mal wartete in der letzten Woche auf mich; das erste Angebot eines Verlages für mein neues Buch.
Allerdings erkannte ich in diesem ersten Mal sofort die Kehrseite oder besser gesagt ein erstes Mal, auf das ich gut und gerne verzichten kann und möchte; es handelte sich nämlich um einen so genannten Zuschussverlag ...
Ich glaube allerdings, dass es viele Menschen gibt, die sich so sehr wünschen, "das erste Mal" ein Buch in den Händen halten zu können, auf dessen Cover ihr Name steht, dass sie sich sogar über ein Angebot eines Zuschussverlages freuen. Irgendwie kann ich sie schon verstehen, denn den eigenen Namen auf einem Buchcover zu sehen ist wirklich ein ganz besonderer Moment.

Um es noch einmal zu sagen: Nein, ich freue mich nicht über ein solches Angebot und meine Partnerin auch nicht.
Angebote von "normalen" Verlagen, also solchen, die von uns kein Geld haben möchten, sind uns natürlich herzlich willkommen (wen wundert's!?).

Hatte ich am Anfang leise Zweifel - "Wird es ein gutes Buch? Wird es ein Buch, das gebraucht wird?" -, bin ich mir nun ganz sicher. Sicher auch deshalb, weil dieses Buch Platz für zwei gute Autorinnen bietet - und das sind wir garantiert: zwei gute Autorinnen.

Bis bald,
Eure Antje

PS:

Schwebende Eier!

Frau Eiermann hat schlecht geschlafen. Die Matratze war zu weich und das Schnarchen von Herrn Eiermann nervtötend. Und dann war da noch dieser dumme Traum. Schwebende Eier! Überall waren sie - über ihr, neben ihr und sogar unter ihr - jede Menge braune, schwebende Eier. Doch Frau Eiermann hat keine Zeit für Rückenschmerzen und dumme Träume, denn heute ist Wochenmarkt.
Und einige Zeit später steht sie an ihrem Marktstand und stapelt die Eierpaletten zu hohen Türmen auf.
Gerade ist sie damit fertig geworden, als sich auch schon die erste Kundin ankündigt. Eine alte Frau, in einem schweren und viel zu großen braunen Wintermantel gehüllt, nähert sich, in tief gebückter Haltung, dem Eierstand.
"Guten Tag!", sagt sie mit brüchiger Stimme zu Frau Eiermann. "Ich bekomme ein großes Stück Käse!"
Frau Eiermann schaut die Alte erstaunt an.
"Käse? Nein, Käse verkaufen wir nicht. Dies ist ein Eierstand und da gibt es nur Eier!"
"Kein Käse?", ruft die alte Frau ungläubig, dreht sich um und reißt dabei, mit ihrer schäbigen Einkaufstasche, einen, der großen Stapel brauner Eier um.
"Klaaatsch!", macht es laut.
"Neeein!", kreischt Frau Eiermann.
"Kein Käse", murmelt die Alte und schleicht sich kopfschüttelnd davon.
In dieser Nacht hat Frau Eiermann wieder einen dummen Traum. Schwebende Spiegeleier!

Eine Geschichte von Christopher Melzig, 10 Jahre

03. Eintrag (31.08.2007):

Wer braucht eigentlich dieses neue Buch?

Neulich schrieb mir eine Kollegin:

"Bücher, Bücher, Bücher. Ich frage mich, wer das alles kaufen und lesen soll und warum alle AutorInnen meinen, sie müssten diesem gigantischen Bücherberg (so hoch wie die Zugspitze, aufeinandergetürmt? Könnte man mal ausrechnen: 2006 gab es 94.716 neue Titel; pro Titel ca. 2 cm macht 1.894 Meter = gut 11-mal so hoch wie der Bungsberg, Schleswig-Holsteins höchste Erhebung mit Skilift ...) noch weitere Bücher hinzufügen."

Obwohl diese Mail absolut nichts mit meinem neuen Buchprojekt zu tun hatte - es ging um ein ganz anderes Thema -, machten sich sofort zarte, aber recht hartnäckige Zweifel in mir breit: Soll ich wirklich diesen Bücherberg um zwei weitere Zentimeter wachsen lassen?

Sicherlich gibt es jede Menge wirklich guter Bücher und ständig kommen neue dazu, doch ebenso viele mittelmäßige, schlechte und grottenschlechte gibt es natürlich auch.
Wobei sich wiederum die Frage stellt: Wer kann das schon beurteilen?

Jemand, der sich zum Beispiel für die Züchtung von Jungbullen interessiert oder deren artgerechten Haltung, hat sicherlich in dem Buch "Der Jungbulle von A-Z" seinen persönlichen Bestseller gefunden.

Millionen von pferdesüchtigen, rotwangigen Mädels verschlingen ebenso viele Pferde-Freundschaft-Abenteuer-Bücher; mein elfjähriger Sohn hingegen würde solche Bücher nur unter Androhung von schlimmster Folter lesen.

Neulich habe ich ein Interview mit einem bekannten Autor gelesen (sorry, leider ist mir sein Name entfallen!), der auf die Frage, was er von Buchkritikern hielte, Folgendes antwortete: "Die sind doch nur Buchkritiker geworden, weil sie selbst nicht schreiben können!"

Also, wer vermag schon zu beurteilen, ob etwas gut oder schlecht ist oder gebraucht wird?

Braucht die Menschheit nun unbedingt noch dieses neue Buch? Diesen neuen Hut? Dieses neue Auto? Diesen neuen TV-Sender? - Keine Ahnung!

Doch unabhängig von der Frage nach der tollen Story, dem guten Schreibstil, dem völlig überraschenden Ende, der Bekanntheit des Autors, der Eignung für die Verlage ... sollte man sich genau diese Frage gefallen lassen und selbst stellen:

Wer braucht dieses neue Buch???

Ich habe sie mir gestellt! Ich schwöre, ich habe sie mir wirklich gestellt!
Als Beweis dafür gewähre ich Euch einen Einblick in meine geheime Für-und-Wider-Liste.

"Antjes geheime Für-und-Wider-Liste": Wer braucht dieses Buch?

  1. Kinder und Jugendliche, die gerne schreiben.
    Damit sie noch viel lieber schreiben und was dazulernen ...
    Kein Gegenargument!
  2. Eltern von Kindern und Jugendlichen, die gerne schreiben.
    Damit sie es dann ihren Kindern geben können und die dann noch lieber schreiben ...
    Auch kein wirkliches Argument dagegen!
  3. Eltern von Kindern, die nicht gerne schreiben.
    Damit sie es dann ihren Kindern geben können und die dadurch Spaß am Schreiben bekommen ...
    Hm, keine Ahnung, ob das klappen könnte!
  4. LehrerInnen, denen langsam die Bildergeschichten ausgehen.
    Oder die endlich mal "kreativen Deutschunterricht" machen möchten ...
    Zur Not malen die sich selbst neue Bilder für ihre spannenden Bildergeschichten, die die Kids sooo sehr lieben und aus ihnen begeisterte Schreiberlinge und Leseratten machen ... hihihi ... wer's glaubt, wird selig!
  5. AutorInnen, die selbst solche Kurse veranstalten möchten.
    Oder nach neuen Wegen suchen ... (Oder auch Geld verdienen wollen und müssen.)
    Es soll ja AutorInnen geben, die keinen Bock auf den direkten Kontakt zu ihrer Zielgruppe haben. Ich habe sogar schon von welchen gehört, die für Kinder schreiben, aber sie absolut nicht leiden können. Ich habe sogar schon von welchen gehört, die vom direkten Kontakt mit Kinder juckenden Ausschlag und Fußpilz bekommen.
  6. Verlage, die schon lange mal ein derart tolles Buch rausbringen wollten.
    Noch dazu eines, das direkt der Praxis entsprungen ist und mit enorm viel Herzblut geschrieben ist.
    Nichts dagegen einzuwenden. Absolut nichts!
    Kein Gegenargument!
  7. Ich!
    Weil ich schon seit ewig genau dieses Buch schreiben will und weil ich es super in meinen Kursen einsetzen kann und weil ich gerne schreibe und weil ich einfach richtig viel Bock auf dieses Buch habe ... und weil ich genau DIE RICHTIGE für dieses Buch bin!!!
    Schaffe ich das? Kann ich das? Wie fange ich an? Wann höre ich auf? Finde ich einen Verlag? Wird das Buch gekauft? Fragen, die mich quälen werden ... die nächsten Wochen und Monate ... vielleicht sogar Jahre ... doch wohl nicht Jahrzehnte?
    Hoffen. Bangen. Warten. Auf und Ab. Ja. Nein. Vielleicht.
    Schwitzen und noch mehr Joggen müssen, weil ich beim Schreiben immer Schokolade ich mich hineinstopfe.
    Schlaflose Nächte, quengelnde Kinder ... alles Quatsch; ich kann immer und überall schlafen und quengelnde Kinder ... null Problem, dann quengele ich eben mit!
    Ehemann, der nach gebügelten Hemden und regelmäßigen Mahlzeiten verlangt ... totaler Blödsinn, das haben wir zum Glück schon laaaange hinter uns!
  8. Die Schreibfüchse!
    Weil sie schließlich an der Idee beteiligt waren ...
    Hoffentlich denken sie dann nicht, ich müsste aus jeder ihrer Ideen ein Buch machen.
    Was zum Beispiel, wenn ich demnächst das "Große Buch der Heuschrecken" schreiben muss, nur weil Moritz Heuschrecken so spannend findet?

Nein, es gibt wirklich keinen guten Grund gegen dieses Buch - ganz im Gegenteil!

Jetzt muss ich es nur noch fertig bekommen und den besten und geeignetsten Verlag dafür finden und gewinnen. Aber das wird sicherlich das geringste Problem sein. Oder?

Drückt mir die Daumen!
Eure Antje

PS:

Wie er sich streckt und reckt
so voller Glück und Wonne,

liegt er dort völlig ausgestreckt
am Fenster in der Sonne.

Nun putzt er sich das Fellchen rein,
damit es glänzt ganz fein,

doch plötzlich nickt er ein,
im wunderschönen Sonnenschein.

Hatschi - Mein Kater musste niesen,
ach, könnten doch die Menschen
auch den Morgen so genießen

Lisa Abraham, 10 Jahre

02. Eintrag (22.08.2007):

Es wäre eine einzigartige Fundstätte, wenn ... oder wie fange ich bloß an?

Neulich stand Marlon im Garten und starrte in die Ferne. Plötzlich schrie er ganz aufgeregt: "All! All! All!" und zeigte mit dem Finger in die Luft. Ich begriff nicht, was er mir damit sagen wollte? Worum ging es ihm? Wollte er ins Weltall fliegen? Schwebte dort oben eine Wolke namens All vorbei? Oder (vielleicht weil in unserem Neubaugebiet viele Menschen aus Rußland und Polen wohnen) könnte "All" zum Beispiel das polnische Wort für eine ganz spezielle unsichtbare Vogelart sein?

Nach zwei Minuten verstand ich endlich: Es ging ihm um den Apfelbaum in Nachbars Garten, und um die Äpfel die darin hingen.
Äpfel sind bekanntlich rund und alles, was rund ist, heißt bei Marlon Ball.
Da sich aber das B noch nicht in seinem Buchstabenkoffer befindet, lässt er es einfach weg und somit wird aus Apfel "Ball" und aus Ball "All".
Ist doch ganz logisch. Oder?

Hat es nicht bei uns allen einmal so angefangen?
War nicht jeder von uns ein Buchstabensammler und Wortakrobat zu Beginn seiner "Sprachkarriere"?
Doch müssen wir uns nicht selbst die Frage stellen, wo nur all diese Wörter geblieben sind, die wir als Sprachlehrlinge einst vor uns hinplapperten?
Täglich haben wir neue Buchstaben entdeckt und ständig neue Wörter erfunden, die für uns eine Bedeutung hatten.
Aus "Uftbamalonga" wurde erst "Uftalong" bis es schließlich der Luftballon war, über den sich der kleine Marlon mächtig freut, wenn wir ihn zu sehen bekommen.
Luftballon - was für ein langweiliges Wort. Aber dummerweise haben wir "Uftbamalonga" nicht aufbewahrt.
 
Ähnlich wie dem zweijährigen Buchstabendompteur und Worterfinder Marlon, ergeht es mir gerade mit meinem neuen Buchprojekt.
Mein "Ideenkoffer" ist prall gefüllt, doch einige ganz wichtige fehlen leider noch.
Obwohl sie sich eigentlich schon einmal in meinem Koffer befunden haben, war ich so dumm, sie nicht aufzubewahren. Ich hielt sie für unbedeutende kreative Ergüsse meiner rechten Gehirnhälfte. Machte mir keine Gedanken über ihren Wert und dass ich sie eines Tages vielleicht einmal brauchen könnte.
Was für ein doofes, kapitalistisches Nutzdenken!
Warum nur habe ich sie nicht archiviert? Weshalb habe ich es zugelassen, dass sie einfach sang- und klanglos wieder verschwinden?
Ist denn eine Idee nichts wert, bloß weil sie im Moment nicht zu gebrauchen ist - im Moment nichts zu bedeuten hat?

Also sitze ich hier und versuche mich an alte Ideen und Gedanken zu erinnern.
Und da ich inzwischen nach einer festen und klar strukturierten Methode (an dieser Stelle schnell ein liebes Dankeschön an Stefan) schreibe, arbeite, entwickle, überarbeite ... lebe (!?), ärgere ich mich mächtig, weil ich nun wieder ganz von vorne beginnen darf.
Oder sollte ich einfach diese Methode unbeachtet lassen und zum Beispiel bei Kapitel 5. beginnen?
Kapitel 5 und auch 6 und sogar 7 und ein großer Teil von 10 sind nämlich schon so gut wie fertig. Ich muss sie nur wieder hervorkramen, etwas verschönern, ein bisschen verbessern und voilà ... perfekt!

Der Gedanke wirkt sehr verlockend auf mich. Dennoch rufe ich mich jetzt und hier und sofort zur Ordnung und Vernunft: So nicht, Antje!

Schließlich hat mir der Erfolgsautor Kai Meyer neulich im Interview verraten: „Zur Arbeit eines Schriftstellers gehört aber auch eine gute Portion Disziplin und Selbstvertrauen: Auch wenn man mal einen oder zwei Tage lang denkt Eigentlich würde ich jetzt lieber was anderes machen, muss man sich selbst am Riemen reißen - und eigentlich immer kommen Spaß, Interesse und Begeisterung nach kurzer Zeit wieder zurück.“

Recht hat er!
Doch was würde ich darum geben, wenn ich all meine Gedanken und Ideen in ein ordentliches Archiv sortiert hätte ... was für eine einzigartige Fundstätte!

Allerdings auch ein toller neuer Gedanke, der sich gerade durch mein Hirn windet und unbedingt ans Tageslicht gelangen möchte.
Vielleicht für Kapitel 2 oder 3?

Schaun wir mal ...

Bis bald, Eure Antje

PS:
An dieser Stelle hatte ich Euch Geschichten, Gedichte und Beiträge meiner "Schreibfüchse" versprochen - keine Sorge, diesmal unter PPS!
Hier möchte ich mich nämlich kurz bedanken:
Vielen Dank an alle, die mir in der letzten Woche sooo viele E-Mails geschrieben haben.
Unglaublich, aber gerne mehr davon an:
Aszillat@gmx.net


PPS:

Der Wassermann

In einem See weit, weit unten, war ein kleines Häuschen. Es war aus Algen und Kraut und anderen Wasserpflanzen. Es hatte einen kleinen Flur mit einem Schlafzimmer und einer Küche, zwei Sessel und ein Sofa und noch viele schöne Vorhänge.

In diesem kleinen Haus wurde in einem Bett ein Kind geboren.
Es war ein kleiner Wassermann.
Und als aus dem kleinen Wassermann ein etwas größerer Wassermann geworden war, versuchte er eines Tages auf einem Fisch zu reiten.
Doch der Fisch schwamm weg. Sie entfernten sich immer weiter vom Haus des kleinen Wassermanns, bis der Fisch ihn schließlich runterfallen ließ.
Er landete in einem Abgrund und entdeckte eine Höhle. Langsam näherte er sich der Höhle.
Plötzlich zischte es hinter seinem Rücken. Der kleine Wassermann drehte sich erschrocken um und sah ein großes Monster, das ihn aus neun Augen anstarrte.
Der Wassermann flüsterte ängstlich: "Wo bin ich und wer bist du?"
Das Monster lachte: "Ich bin das Neunauge und du bist in mein Reich eingedrungen. Willst du vielleicht zum Mittagessen bleiben?"
"Nein danke", sagte der Wassermann verstottert. "Ich muss zu meiner Familie zurück."
"Schade, dann muss ich dich wohl fressen", und schon schnappte er zu.
Zum Glück konnte der kleine Wassermann in letzter Sekunde noch ausweichen.
So schnell er konnte schwamm er nach Hause.
Dort wurde er schon von seinen Eltern erwartet, die sich große Sorgen gemacht hatten.
Er bekam ein bisschen Ärger - aber nicht viel, denn seine Eltern waren froh, dass er wieder da war.
So vergnügten sie sich gemeinsam mit bunten Getränken und Algenpüree und der kleine Wassermann hatte gelernt, dass es sich nicht lohnte auf Fischen zu reiten.

Anne-Marie Fischer, 9 Jahre

01. Eintrag (13.08.2007):

"Warum schreibst du eigentlich kein Buch über uns?"

"Danke für den besten Schreibkurs", stand in bunten Buchstaben auf dem gelben Tonpapier, das mir die beiden elfjährigen "Schreibfüchsinnen" Denise und Lisa verlegen in die Hand drückten.
"Oh, vielen Dank“, freute ich mich über das nette Geschenk der Mädchen.
"Du, Antje“, mischte sich Chris ein.
"Warum schreibst du eigentlich kein Buch über uns?"
"Über euch?", wunderte ich mich.
"Jawohl, über uns!“, wiederholte Chris seinen Vorschlag.
"Und was soll ich über euch schreiben?"
"Natürlich wie toll wir sind!", rief Jan lachend dazwischen.
Innerhalb weniger Sekunden entfachte eine hitzige und ziemlich lautstarke Diskussion unter meinen jungen "Schreibfüchsen".
Annemarie überschlug sich fast vor kreativen Einfällen, Franzi und Darleen bastelten bereits im Geiste am Inhaltsverzeichnis herum, Dorian sah sich schon als "neuer leuchtender Star" am Jungautorenhimmel, Moritz dachte laut über das Design seiner Autogrammkarten nach, kurz gesagt; die Kids waren völlig außer Rand und Band!

Ich sagte überhaupt nichts - betrachtete einfach nur völlig verwundert meine "Schreibfüchse".
Unglaublich ... echt unglaublich!
Doch umso länger ich meinen wild durcheinander quasselnden Schreibkids zuhörte, desto mehr reifte eine Idee - ein Gedanke in mir.
Warum eigentlich nicht?
Schließlich hatte ich die letzten Jahren zahlreiches Material rund um das Thema "Kreatives Schreiben für Kids" entworfen und gesammelt.
Schreibübungen und Aufgaben, Tipps und Tricks, Methoden und Möglichkeiten und natürlich Texte ohne Ende.

Wie oft wurde ich in den letzten Jahren von Eltern und Kindern angesprochen, ob es meinen "kreativen Schreibkurs" auch in didaktischer Form gäbe. Selbst KollegenInnen und auch einige LehrerInnen hatten schon angefragt. Die Volkshochschule - für die ich in den ersten Jahren die Schreibkurse veranstaltet hatte - war auch schon diverse Male mit der Bitte nach "schriftlichen Material" an mich herangetreten.
Also, warum eigentlich nicht?!

Was ich beim Schreiben und Recherchieren erlebe und ob ich am Ende auch einen Verlag dafür finden werde - das alles könnt Ihr demnächst hier lesen.

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Begleiten.
Eure Antje

PS: Dieses Gedicht stammt von der dreizehnjährigen "Schreibfüchsin" Franziska.
Die Texte und Geschichten "meiner" Jungautoren könnt Ihr übrigens auch regelmäßig hier lesen - immer unter PS!
Ihr dürft gespannt sein.


Menschen

Ob kugelrund, ob gertenschlank
oder so breit wie ein Kleiderschrank,
ob pechschwarz und aus Afrika
oder käseweiß aus Europa,
ob schokobraun das Gesicht
schlecht sind sie alle nicht.

Ob gar so hässlich wie die Nacht
oder schön, wie für ein Bild gemacht,
ob wie ein großer Bär so stark
oder so schwach wie Magerquark,
ob so geschwind wie schnelle Pfeile,
wir sind hier nur für eine Weile.

Ob die Lieblingsfarbe ist rosenrot?
Oder so braun wie dunkles Vollkornbrot?
Ob es ist das Gelb der Zitronen
oder das frische Grün der Limonen,
ob sie lieben das Gold im Sonnenschein,
deine Freunde können sie alle sein!

Franziska Walter, 13 Jahre


PPS:
Eure Mails mit euren Kommentaren und Anregungen erreichen mich unter dieser Adresse: aszillat@gmx.net

Bild von Antje Szillat

Antje Szillat: Das bin ich!

Als ich noch klein war, lag ich gerne auf dem Rücken im Gras und sah den Flugzeugen am Himmel nach und den Kondensstreifen, die sie hinter sich ließen.
Damals träumte ich davon, auch einmal in einem Flugzeug zu sitzen und nach Schweden zu fliegen.
Jawohl nach Schweden!
Ihr fragt euch jetzt vielleicht: "Was wollte die denn ausgerechnet in Schweden?"
Das verrate ich euch gerne: Ich wollte unbedingt wie Britta sein - träumte davon erst Pferdebursche zu werden, dann Springreiterin, später auf Silver zu siegen und anschließend den blonden Lasse zu küssen.

Heute bin ich (oh weh - verratet es bloß niemanden!) einundvierzig Jahre alt. Noch immer sehe ich gerne in den Himmel und schaue den Flugzeugen hinterher und noch immer träume ich davon, nach Schweden zu fliegen.

Na ja, vielleicht möchte ich heute nicht mehr unbedingt Pferdebursche oder Springreiterin in Schweden werden, doch den blonden Lasse zu küssen, das erscheint mir nach wie vor recht reizvoll.
Aber nicht nur der wunderbaren Autorin Lisbeth Pahnke gelang es damals, mich in fremde Länder, spannende Abenteuer und andere Welten zu entführen, auch Astrid Lindgren lud mich regelmäßig nach Bullerbü oder Saltkrokan ein.
Bücher sind in meiner Kindheit meine ständigen Begleiter gewesen und so ist es bis heute geblieben.

Heute arbeite ich als freie Autorin, Redakteurin und Dozentin, bin ausgebildete Lerntherapeutin, betreue Leseclubs und Schreibgruppen und wohne mit meinen vier Kindern, Ehemann, Familienhund und vielen Büchern in der Nähe von Hannover.
Eines meiner liebsten Ehrenämter sind meine "Schreibfüchse" - eine Gruppe von schreibbegeisterten Kids im Alter zwischen 9 und 14 Jahren -, die ich seit mehreren Jahren betreue.
Und genau diese Schreibfüchse sind der Grund für mein neues Buchprojekt, dessen Entstehung ihr in diesem Blog verfolgen könnt - worüber ich mich natürlich sehr freuen würde.

"Von der Idee zum fertigen Buch"!

Ihr dürft gespannt sein!

Eure Antje

PS:
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© Sandra Uschtrin | Uschtrin Verlag | 2010

25 Jahre "Handbuch für Autorinnen und Autoren"
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Hardcover. 704 Seiten. 49,90 EUR. www.uschtrin.de/handbuch.html

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