Was wir anbieten
Das Mercator-Berghaus-Stipendienprogramm bietet für die Zeit vom Februar bis August 2005 insgesamt sechs jungen Wissenschaftlerinnen/Wissenschaftlern und Künstlerinnen/Künstlern einen jeweils 3-monatigen Aufenthalt am historischen Ort in internationalem, interdisziplinärem Ambiente.
Wer wir sind
Die gemeinnützige Stiftung Mercator GmbH mit Sitz in Essen unterstützt nach dem Vorbild des berühmten Kartographen, Wissenschaftlers und Unternehmers Gerhard Mercator Projekte, die sich für den aktiven Austausch von Wissen und Erfahrungen zwischen Menschen mit unterschiedlichem nationalen, kulturellen und sozialen Hintergrund einsetzen. Gefördert werden insbesondere die internationale Begegnung und der offene, partnerschaftliche Dialog zwischen Deutschen auf der einen sowie Menschen aus Osteuropa und Asien auf der anderen Seite, ohne den Toleranz und Völkerverständigung nicht möglich ist. Darüber hinaus engagiert sich die Stiftung Mercator bei neuen Lösungsstrategien im tertiären Bildungsbereich und unterstützt das Engagement für Kinder und Jugendliche.
Die Stiftung wurde 1997 von der dritten Generation der Duisburger Kaufmannsfamilie Schmidt gegründet. Der Firmengründer Karl Schmidt begann 1906 in Duisburg mit einem kleinen Kaufhaus, das er zur Großhandlung "Karl Schmidt OHG" erweiterte. In den Folgejahren wurden weitere Unternehmen und schließlich der Cash&Carry-Großhandel METRO - zusammen mit dem Unternehmer Beisheim und der Familie Haniel - gegründet, der Grundstein der heutigen Beteiligung der Schmidt Gruppe an der börsennotierten Metro AG.
Gerhard Mercator lebte von 1512 bis 1594; nachdem er im Februar 1544 der Inquisition entkam, die ihn der Ketzerei beschuldigte, übersiedelte er 1552 nach Duisburg, da ihm hier der Herzog von Kleve Gewissensfreiheit gemäß seiner Glaubensgrundsätze garantierte. In dieser freiheitlichen Atmosphäre gelangte Mercator zu seinen bahnbrechenden wissenschaftlichen Erkenntnissen. Erst die Weltkarten, die das von Mercator entwickelte mathematisch hochkomplexe Verfahren der "Mercator-Projektion" umsetzten, gaben auf der zweidimensionalen Darstellung die Entfernung zwischen zwei Punkten auf der tatsächlich gekrümmten Erdoberfläche exakt wieder. Gerhard Mercator revolutionierte das Weltbild seiner Zeit und ermöglichte große Entdeckungsreisen (mehr Informationen: www.stiftung-mercator.de).
Die Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung (Fundacja Krzyzowa dla Porozumienia Europejskiego) setzt sich als eine international tätige deutsch-polnische Organisation für eine von Verständigung und gegenseitiger Achtung geprägte Koexistenz der Völker in Europa ein. Die Stiftung betreibt im polnischen Krzyzowa (Kreisau) - 342 km von Berlin und 60 km von Breslau entfernt - seit Mitte der 90er Jahre eine Begegnungs- und Tagungsstätte, in der internationale Jugendbegegnungen und Veranstaltungen der Europäischen Akademie stattfinden, sowie eine Gedenkstätte des Widerstandes gegen die Diktaturen des 20. Jahrhunderts eingerichtet ist.
Die Gründung der Stiftung Kreisau lag mitten im Aufbruch der Völker Mittel- und Osteuropas. Die Themen dieses Aufbruchs - Opposition, Zivilcourage, der Wille und der Mut, die Zukunft in die eigene Hand zu nehmen -, spannen einen Bogen zu der Widerstandstradition des Ortes: Auf dem Gut von Helmuth James von Moltke, im Berghaus, traf sich 1942-1943 eine Gruppe von Nazigegnern, um Pläne für ein zukünftiges, demokratisches, soziales, in Europa integriertes Deutschland nach dem Ende des Nationalsozialismus auszuarbeiten. Die Angehörigen dieser als "Kreisauer Kreises" in die Geschichte eingegangenen Gruppe repräsentierten ein breites gesellschaftliches Spektrum, das bürgerliche Politiker und Gewerkschafter, Vertreter des Adels und Sozialdemokraten, evangelische und katholische Christen einschloss. Viele von ihnen wurden zum Tode verurteilt und hingerichtet, darunter Alfred Delp SJ, Hans-Bernd von Haeften, Theodor Haubach, Julius Leber, Helmuth James von Moltke, Adolf Reichwein, Adam von Trott zu Solz und Peter Yorck von Wartenburg.
Das Berghaus ist heute Gedenkstätte und gehört zum Komplex der internationalen Begegnungsstätte der Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung in Krzyzowa/Polen. In die neu geschaffenen Wohn- und Arbeitsräume im Dachgeschoss dieser Gedenkstätte lädt die Stiftung Mercator GmbH Stipendiatinnen und Stipendiaten aus Deutschland sowie Mittel- und Osteuropa ein, die für ihre eigenen Projekte die besondere Atmosphäre und Ruhe des Berghauses nutzen möchten und im Gegenzug die Programmtätigkeit der Stiftung Kreisau unterstützen und bereichern wollen. Letzteres kann über Vortragsveranstaltungen, Konzerte, Ausstellungen, Publikationsbeiträge, Workshops und vieles mehr geschehen.
Wen wir fördern
Gefördert werden Absolventinnen/Absolventen geistes- und sozialwissenschaftlicher Fakultäten, Doktorandinnen/Doktoranden und Nachwuchswissenschaftlerinnen/Nachwuchswissenschaftler, die an Projekten arbeiten, die in unmittelbarem Zusamme-hang mit der deutschen Zeitgeschichte stehen, sich mit nationaler Identität und/oder modernem Geschichtsbewusstsein auseinandersetzen. Das Arbeitsthema und die Arbeitsziele der Stipendi-tinnen/Stipendiaten müssen sich mit den Bedingungen und Themen der Gedenk- und Begegnungsstätte in Krzyzowa (Kreisau) verbinden lassen.
Gefördert werden außerdem Künstlerinnen/Künstler verschiedener Richtungen (bildende Kunst, Musik, Literatur), die sich durch den Ort und die Menschen im historischen und gegenwärtigen Kreisau inspirieren lassen wollen, sowie Übersetzerinnen/Übersetzer der Literatur aus dem Deutschen in die mittel- und osteuropäischen Sprachen und vice versa.
Erwartet wird besonderes Interesse für Mittel- und Osteuropa sowie die politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Entwicklungen in Europa an der Nahtstelle von Ost und West.
Die Stipendiatinnen/Stipendiaten dürfen bei Aufenthaltsbeginn nicht älter als 32 Jahre alt sein; Deutsch oder Englischkenntnisse werden vorausgesetzt; weitere Sprachkenntnisse sind erwünscht. Auch die Bereitschaft zum gemeinschaftlichen Wohnen wird vorausgesetzt.
Weitere Informationen:
Für Interessierte aus MOE-Ländern:
Annemarie Franke, Gedenkstätte der Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung;
Krzyzowa 7, PL 58-112 Grodziszcze; Rückfragen: franke@krzyzowa.org.pl
Für Interessierte aus Deutschland:
Dr. Agnieszka von Zanthier, Kreisau Initiative Berlin e.V. / Verbindungsbüro zur Stiftung Kreisau; c/o Allianz, An den Treptowers 3, D 12435 Berlin; Rückfragen: avz-berlin@kreisau.de
Informationen zur Stipendienvergabe
Die Aufenthaltsdauer eines Stipendiums beträgt drei Monate. Stipendiatinnen/Stipendiaten erhalten ein monatliches Stipendium in Höhe von 250,00 (MOE-Länder) bzw. 350,00 Euro (Deutschland), Unterkunft im Kreisauer Berghaus, Benutzung der Arbeitsräume, Verpflegung, Betreuung und Reisekostenzuschuss (weitere Details siehe Arbeitsbedingungen)
Bewerbung
Die Entscheidung über die Vergabe der Stipendien wird von einer Fachjury getroffen. Voraussetzung für die Begutachtung des (formlos einzureichenden) Stipendienantrags ist das Vorliegen sämtlicher nachfolgend aufgezählter Unterlagen, jeweils in der Muttersprache der Bewerberin/des Bewerbers sowie auf Deutsch oder Englisch:
Die Unterlagen werden nach Beendigung des Auswahlverfahrens mit normaler Post zurückgesandt. Die Organisatoren kann keine Haftung für die eingereichten Unterlagen über-nehmen. Unterlagen und Materialien der angenommenen Stipendiaten ver-bleiben zur Dokumentation im Besitz der Stiftung Kreisau.
Bewerbungsfrist für den Aufenthaltstermin 01.02.-30.04.2005 ist der 01.11.2004 und für den Termin 02.05.-01-08.2005 der 17. Januar 2005.
Die Bewerbungsunterlagen sind an folgende Personen zu senden:
Von Bewerberinnen/Bewerbern aus MOE-Ländern:
Annemarie Franke, Gedenkstätte der Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung
Krzyzowa 7, PL 58-112 Grodziszcze; Rückfragen: franke@krzyzowa.org.pl
Von Bewerberinnen/Bewerbern aus Deutschland:
Dr. Agnieszka von Zanthier, Kreisau Initiative Berlin e.V. / Verbindungsbüro zur Stiftung Kreisau; c/o Allianz, An den Treptowers 3, D 12435 Berlin; Rückfragen: avz-berlin@kreisau.de
Arbeitsbedingungen
Aus den Mitteln des Mercator-Berghaus-Stipendiatenprogrammes werden jährlich neun Stipen-diatinnen/Stipendiaten gefördert, pro Aufenthalt jeweils drei Personen, je eine aus Deutschland, Polen und einem weiteren Land Mittelosteuropas.
Jeder Stipendiatin/jedem Stipendiaten steht ein Zimmer (12-16 qm), ausgestattet mit Computer- und Telefonanschluss, zur Verfügung. Das Wohnzimmer, eine kleine Küche und das Bad werden gemeinsam genutzt; die Zimmer werden gereinigt, Bettwäsche und Handtücher regelmäßig gewechselt. Die Stipendiatinnen/Stipendiaten haben die Möglichkeit, andere Arbeitsräume im Berghaus bzw. in der Begegnungsstätte zu nutzen.
Ausstattung
Bibliothek mit folgenden Schwerpunkten:
Die Bibliothek ist zu weiten Teilen zweisprachig (deutsch/polnisch) angelegt;
bei Bedarf kann auf die Bibliotheksbestände im benachbarten Breslau (Universitätsbibliothek, Ossolineum-Nationalbibliothek, Bibliothek des Willy Brandt Zentrums) ausgewichen werden.
Mediothek: Im Berghaus stehen Fernseher- und Videorecorder zur Verfügung sowie eine Sammlung an polnischen und deutschen Dokumentar- und Spielfilmen (Schwerpunkt: Widerstand, Opposition in Mittel- und Osteuropa, dt.-pl. Beziehungen, 2. Weltkrieg);
Ausstellung: Im Schloss befindet sich die Dauerausstellung "In der Wahrheit leben. Aus der Geschichte von Widerstand und Opposition im 20. Jahrhundert." Neben der Tafelausstellung in zwei Räumen steht eine multimediale Erweiterung mit dt.-pl. Text-, Bild- und Filmarchiv im PC zur Verfügung;
Computer: im Berghaus 1 PC und 2 Laptops vorhanden mit Druckeranschluss, in der Begegnungsstätte weitere Arbeitsplätze;
E-Mail: Internetzugang; für die Zeit des Aufenthaltes Einrichtung eines Kontos in der Domain krzyzowa.org.pl möglich;
Fotokopierer: vorhanden in der Bibliothek (bei Überschreiten einer vorgegebenen Maximalzahl: Eigenanteil);
Atelierräume: Atelierräume (Waschhaus), Druckpresse, Fotolabor;
Musikinstrumente: Steinway-Konzertflügel, Klavier;
Zeitungen: Der Spiegel, Frankfurter Rundschau, Rzeczpospolita, Tygodnik Powszechny;
Waschmaschine: im Berghaus vorhanden.
Verpflegung
Die Begegnungsstätte (zehn Minuten zu Fuß vom Berghaus entfernt) verfügt über eine Mensa; die Mahlzeiten sind für die Stipendiatinnen/Stipendiaten frei. Im Berghaus besteht aber auch die Möglichkeit, selbst zu kochen.
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© Sandra Uschtrin | Uschtrin Verlag | 19972012
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