(In: Federwelt Newsletter Nr. 104 vom November 2008)
Drei Fragen an ... Andreas Wilhelm (Autor)
Deine Bücher erscheinen in Russland, China, den Niederlanden, Polen, der Slowakei, Estland, Litauen, Tschechien, Spanien was bedeutet das für dich als Autor? Hat internationaler Erfolg auch Einfluss auf den deutschen Buchmarkt?
Vermutlich nur in beschränktem Maß. Solange nicht gerade "Internationaler Bestseller!" als Aufkleber auf dem Buch prangt, bekommen es die deutschen Leser ja gar nicht mit, ob das Buch auch in anderen Ländern erhältlich ist. Und das ist im Prinzip auch egal, es hat keine Rückwirkung auf den Käufer. Ich habe das Gefühl, dass es in erster Linie ein gutes Argument gegenüber weiteren Lizenzeinkäufern ist und natürlich gegenüber dem Buchhandel: Wenn es das Buch in so vielen Ländern gibt, scheint es nicht so schlecht zu sein, also ordert man es vielleicht eher. Aber egal, ob man das Buch nun auf Estnisch oder Slowakisch lesen kann; es muss hauptsächlich und in erster Linie den deutschen Lesern gefallen, denn das ist die Haupteinnahmequelle für den Verlag. Mir gefällt aber der Gedanke, dass meine Geschichten auch in anderen Ländern gerne gelesen werden, dass sie also eine gewisse Allgemeingültigkeit haben.
Im Februar erscheint mit "Projekt Atlantis" der dritte Band deiner Trilogie um den Geschichtsprofessor Peter Lavell und den Ingenieur Patrick Nevreux. Fällt es dir schwer, im Anschluß die Figuren loszulassen? Oder beginnst du mit ihnen eine neue Mystery-Thriller-Trilogie?
Es ist ein zweischneidiges Schwert. Nach drei Romanen kennt man "seine Leute", es fällt einem leicht, sich in sie hineinzuversetzen, man umgibt sich mit alten Freunden, sozusagen. Ähnlich geht es einem Leser ja auch. Andererseits beschränken einen die Charaktere natürlich auch. Die Trilogie kommt mit dem dritten Band zu einem umfassenden Ende, bei dem auch alle losen Fäden verknüpft werden. Es gibt danach eigentlich nichts mehr zu sagen. Ich bin jedenfalls zufrieden und froh, mich nun anderen Geschichten zuwenden zu können. Thriller werden es aber erst einmal bleiben. Mein nächster Roman ist alleinstehend, nicht Teil einer Reihe. Er spielt in Hamburg und Brasilien und wird ein moderner Science-Thriller. Brutaler und erschreckender als meine Projekt-Trilogie. Ich bin sehr gespannt, wie meine Leser darauf reagieren.
2005 hast du Montségur gegründet, das mittlerweile größte deutschsprachige Autorenforum im Internet (www.montsegur.de). Dort unterhalten sich 380 Autorinnen und Autoren, darunter Stars wie Andreas Eschbach, Rebecca Gablé, Iny Lorentz und Thomas Thiemeyer. Wie verhinderst du, daß das Forum überrannt wird mit neuen Mitgliedern?
Tatsächlich ist das Autorenforum sehr erfolgreich geworden insbesondere dank der vielen tollen Mitglieder, ihrem umfassenden Wissen, und natürlich dank meiner Moderatoren, ohne die ich das niemals auf den Beinen halten könnte. Vielleicht ist es nicht das größte, aber mit Sicherheit das professionellste derartige Netzwerk, wie man an der Mitgliederliste sehen kann. Der Erfolg bewirkte natürlich, dass sich stets viel mehr Menschen anmelden wollten, als wir aufnehmen konnten - und wollten. Schließlich haben wir eine grundsätzliche Aufnahmebeschränkung eingerichtet, um nicht ganz so viele Absagen schreiben zu müssen, die einem jedesmal leid tun und oft auch nicht richtig verstanden werden.
Wir wissen aber, dass der Bedarf nach Wissen und Austausch weiterhin sehr groß ist, und nicht umsonst gibt es zahlreiche kleinere Foren, in denen sich Schreibeinsteiger austauschen und versuchen, sich gegenseitig zu helfen. Im Augenblick müssen wir den Großteil dieser Autoren quasi allein lassen, sie können im Moment nur als Zaungäste einen Teil der Diskussionen bei uns verfolgen, sich aber nicht beteiligen. Für das nächste Jahre plant das Montségur Autorenforum daher einige Veränderungen, die ich im Detail hier noch nicht ausbreiten kann nicht zuletzt, weil einiges noch nicht zuende gedacht ist , aber diese Veränderungen sind ausdrücklich darauf gerichtet, die Einsteiger mit den Profis in Verbindung zu bringen und unser Wissen und unsere Expertise aktiver zu verbreiten als bisher.
Fragesteller: Titus Müller, Herausgeber des Federwelt Newsletters (www.federwelt.de)
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© Sandra Uschtrin | Uschtrin Verlag | 19972012
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