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... Titus Müller
(Schriftsteller)
erstellt am: 11. März 2009

(In: Federwelt Newsletter Nr. 106 vom Januar 2009)


3 Fragen an ... Titus Müller (Schriftsteller)

 
Titus, vor zehn Jahren hast du die Autorenzeitschrift Federwelt gegründet und sie dann nach einigen Jahren in die kompetenten Hände von Sandra Uschtrin gegeben. Dabei warst du weiterhin für den Federwelt Newsletter zuständig, mit dem du zum Ende hin fast viertausend Leser einmal im Monat über Aktuelles aus der Branche informiert hast. Wie fühlt es sich an, nach so langer Zeit auch dieses "Baby" auf eigenen Füßen stehen zu lassen?
Wehmütig? Befreit?
 
Im Regal hinter mir stehen rund fünfzig Bücher über das Schreiben. Ich habe die Federwelt abonniert, TextArt, den Tempest, ich lese BuchMarkt und buchreport - ich kann nicht genug kriegen vom Thema Literaturbetrieb und Schreiben. Da bin ich froh, dass es den Federwelt Newsletter weiterhin geben wird, auch wenn ich aus Zeitgründen gezwungen bin, ihn abzugeben. Ich werde ein glücklicher Abonnent sein und ihn jeden Monat mit Genuss lesen.
 
Du hast gemeinsam mit Marlene Klaus den Vorsitz der Autorenvereinigung "Quo Vadis" übernommen. Welche Aufgaben liegen unmittelbar vor dir, und was möchtest du mittelfristig erreichen?
 
Autoren sind einsame Wölfe. Im Grunde kämpft jeder allein an seinem Schreibtisch. Ein afrikanisches Sprichwort sagt: "Wenn du schnell gehen willst, geh alleine. Wenn du weit gehen willst, geh gemeinsam." Marlene und ich wollen das Gemeinsame bei Quo Vadis stärken. Inzwischen sind wir fast einhundert Autorinnen und Autoren im Autorenkreis, alle davon schreiben professionell historische Romane. Die Mitglieder des Autorenkreises haben eine Menge auf die Beine gestellt: Sie haben den Sir Walter Scott-Preis aus der Taufe gehoben, in den Medien über die Stärken des historischen Romans geredet, Recherchen, Jahrhunderte und Anspruch und Unterhaltung diskutiert.
Vieles läuft virtuell, aber einmal im Jahr kommen wir zusammen, reden, tragen im Rahmen einer Lesenacht aus unseren Romanen vor, tauschen uns aus.
Das ist für mich sehr wertvoll. Das Ziel für Marlene und mich ist, den Zusammenhalt im Autorenkreis - trotz der unterschiedlichen Herangehensweisen an das Genre - zu intensivieren. Außerdem wollen wir dem historischen Roman in der Öffentlichkeit den Rücken stärken.
 
Du moderierst auch die monatliche Literaturtalksendung "Auserlesen" auf rheinmaintv. Man fragt sich, woher du neben diesen ganzen Aufgaben die Zeit nimmst, zu schreiben. Du bist ja hauptberuflich und sehr erfolgreich Schriftsteller. Wie schaffst du das alles?
 
Mich hindert nicht die Arbeit für die Talksendung oder für Quo Vadis. Mich hindern eher meine Selbstzweifel. Ich könnte viel mehr und viel besser schreiben, würde ich nicht oft davor zurückscheuen, weil ich fürchte zu scheitern. Jeden Morgen raunt mir eine böse Stimme zu: "Du kannst das nicht. Du hattest bisher einfach Glück, aber damit ist jetzt Schluss, du wirst auffliegen, du wirst dich blamieren!" Es kostet mich unendlich Kraft, trotzdem mit dem Schreiben zu beginnen. Nach einer schweißtreibenden Stunde wird es dann gut, und ich bin glücklich dabei bis zum Abend. Trotzdem ist die Stimme am nächsten Morgen wieder da. Ich würde gerne herausfinden, wie ich sie loswerden kann. Gegen Erfolg ist sie offenbar immun. Andererseits tröstet mich, was Sabine Prilop neulich sagte: Wenn es leicht wäre, einen Roman zu schreiben, dann wäre es kein Abenteuer

Fragesteller: Andreas Wilhelm

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