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... Tilo Eckardt
(
Cheflektor Hardcover im Heyne-Verlag)
erstellt am: 2. Mai 2005

(In: Federwelt Newsletter Nr. 62 vom Mai 2005)

 Sie sind für das Hardcover-Programm bei Heyne zuständig. Da dominieren Autoren wie John Grisham, Stephen King und Nicholas Sparks. Wenn in dieser Umgebung ein Roman von Gisbert Haefs erscheint, einem Deutschen, hat er überhaupt Chancen, sich durchzusetzen? Haefs' "Schwert von Karthago" steht in Konkurrenz zu Grishams "Begnadigung" und Kings dunklen Türmen. Besteht hier nicht die Gefahr, dass sich die Buchhändler in der Mehrheit auf die Auslands-Stars des Verlagsprogramms beschränken?
 
Haefs steht eben nicht in Konkurrenz zu Grisham und King. Die Konkurrenz beschränkt sich auf Genre-Ähnliches. Der Buchhändler hat nicht die "Wahl" zwischen Grisham und Haefs. Grisham braucht er sowieso. Haefs soll er wollen. Haefs steht eher in Konkurrenz zu Reuters Mittelalterroman. Aber Buchhändler haben tatsächlich immer noch ein besonderes Auge auf deutsche Autoren, insofern muss Haefs keine Konkurrenz im Programm fürchten. Ein viel größeres Problem besteht darin, dass Buchhändler des knappen Budgets wegen überhaupt nur noch Spitzentitel einkaufen und die sogenannte Midlist über das Barsortiment beziehen. Ist zwar ungünstiger für den Sortimenter, er braucht aber keinen teuren Regalplatz.
 
Sie werden das sicher oft gefragt; nun haben Sie die Gelegenheit, 1.900 Autoren auf einmal zuantworten: Ist es sinnvoll, sich mit seinem Manuskript an einzelne Verlage von Random House zu wenden, oder werden Manuskripteinsendungen zentral geprüft? Ist eine Absage von Blessing zugleich eine Absage von Heyne, btb und Blanvalet?
 
Es ist sinnvoll, sich an einzelne Verlage bei Random House zu wenden. Heyne und beispielsweise Goldmann, btb, Blanvalet sind ausdrücklich Konkurrenzverlage. Es gibt keine irgendwie geartete Zentralstelle für Manuskripte. Und auch keinen Kreuzverkehr. Zum Glück. 
 
Was, meinen Sie, ist die Stärke deutscher Autoren, und was ist ihre Schwäche?

Ihre große Stärke ist die Seriosität und Ernsthaftigkeit, mit der sie sich Themen annehmen. Ihre große Schwäche ist die Seriosität und Ernsthaftigkeit, mit der sie sich Themen annehmen. Merkwürdigerweise ist es in Deutschland immer noch mit einem gewissen Gout behaftet, an den Leser zu denken. Man will sich um Gottes willen nicht anbiedern, aber gefallen und geliebt werden will man doch. Das führt oft (längst nicht immer) zu einer gewissen Verkrampfung. Auch fehlt in Deutschland immer noch ein gewisser Respekt vor dem schwierigen "Handwerk des Schreibens". Handwerk klingt eben mehr nach Axt als nach Florett, und hierzulande will man gern die feine Klinge führen. Zumal, wenn man als Autor eine Botschaft hat. In anderen Ländern lautet die Frage: Wie schreibe ich eine Geschichte, die eineBotschaft vermitteln kann. Bei uns denkt sich der Autor oft von der anderen Seite an den Stoff heran: Wie mache ich aus der Botschaft eine Geschichte.. Aber nicht die Idee oder Botschaft schafft Identifikation, sondern Figuren und Story. Die Botschaft vermittelt sich dann von allein. Das alles schreibe ich natürlich als Lektor eines Hauses, das sich ausdrücklich der leichteren Muse verschrieben hat.


Fragesteller: Titus Müller, Herausgeber des Federwelt Newsletters (www.federwelt.de)

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