(In: Federwelt Newsletter Nr. 63 vom Juni 2005)
Elizabeth George sagte in einem Interview mit Writer's Digest: "Es ist ein Job und es muss wie ein Job angegangen werden. Schriftsteller schreiben - sie warten nicht darauf, dass es Spaß macht." Wie siehst du das? Gibt es Tage, an denen du dich zum Schreiben zwingen musst?
Ja. Die meisten Arbeitstage beginnen damit, dass ich um den Schreibtisch herumschleiche und zuerst andere Dinge tue, weil mir davor graut, mit dem Schreiben anzufangen. Wenn ich dann aber einmal dabei bin, ändert sich meine Stimmung meistens recht schnell, und ich habe Spaß am Schreiben. Trotzdem wiederholt sich die quälende Einstiegsphase am nächsten Tag. Wenn Elizabeth George mit ihrer Job-Analogie meint, dass man Disziplin braucht, um kontinuierlich zu schreiben, hat sie Recht.
Hast du ein festes Arbeitspensum für jeden Tag
An den meisten Tagen schreibe ich zehn Seiten. Wenn ich mal kein Ende finde, werden es auch mehr, aber die Erfahrung hat gezeigt, dass ich am nächsten Tag oft alles ab etwa Seite elf wieder verwerfe. Offenbar habe ich meine "Tagesration" an Kreativität nach zehn Seiten - also nach gut 2.000 Wörtern - verbraucht.
Wie erklärst du dir deinen Erfolg? Was ist das Besondere an deinen Büchern?
Die ehrliche Antwort lautet: Ich weiß es nicht. Ich denke, ich tue das, was wir alle tun: Ich erzähle meine Geschichten so, wie ich sie selbst gerne lesen würde. Meine Leidenschaft ist die Spannungsliteratur, deswegen versuche ich natürlich, so spannend wie möglich zu erzählen. Das gehört sicher zu den Dingen, die ein großes Publikum ansprechen. Ein weiterer Punkt, dessen Wichtigkeit man gar nicht überschätzen kann, ist Leseridentifikation. Aus Zuschriften entnehme ich immer wieder, dass Leserinnen und Leser wirklich Anteil am Schicksal meiner Protagonisten genommen haben. Das ist es wohl, was Menschen dazu bewegt, ein dickes Buch mit Interesse bis zum Ende zu lesen. Und wenn es mir gelingt, Figuren zu schaffen, an deren Geschick man Anteil nimmt, dann liegt das vermutlich daran, dass diese Figuren mir selbst ziemlich nahe stehen.
Fragesteller: Titus Müller, Herausgeber des Federwelt Newsletters (www.federwelt.de)
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