(In: Federwelt Newsletter Nr. 64 vom Juli 2005)
Was ist für Sie der ideale Autor? Bei 160 Neuerscheinungen im Jahr können Sie nicht für jeden Titel ausführliche Pressearbeit machen. Wie viel Engagement wird vom einzelnen Autor erwartet?
Jeder Autor darf Pressearbeit für sein Buch erwarten. So will es schließlich auchder Autorenvertrag. Dass diese in unterschiedlicher Intensität stattfindet, liegt in der Natur eines umfangreichen Programms und den umfangreichen Aufgaben der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiten von Pressestellen.
In jedem Programm werden Schwerpunkt-Titel ausgewählt, die die intensive Pressearbeit erfordern: Pressestrategie, Anrufe, Special-Interest-Verteiler erstellen, Mailings und immer wieder nachhaken (dezent aber merklich).
Für die weiteren Titel gibt es das Standard-Presseprogramm: Vorschauversand an einen großen, aktuellen Medien-Verteiler, Angebot der Rezensionsexemplar-Anforderung, Nutzung der persönlichen Kontakte von Autoren zur Presse.
Der ideale Autor? Nun ... Er ist höflich, sachlich und hat realistische Vorstellungen vom Rezensionsoutput. Er regt an, aber nicht auf. Er hat verstanden, dass eine Presseabteilung keine persönliche Agentur ist und es neben ihm noch andere (wichtige) Autoren im Verlag gibt. Entsprechend verhält er sich dann auch: Keine täglichen Telefonate, keine hysterischen Ausbrüche, wenn jemand das Rezensionsexemplar noch nicht erhalten hat. Er ist nicht gekränkt, wenn die von ihm ausgeklügelten "Marketing"- und Pressemaßnahmen nicht umgesetzt werden (können). Der ideale Autor zeigt Engagement - mit Sensibilität und Respekt für die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten einer Verlagspressestelle, und ist bereit, seine Vorstellungen dem Möglichen anzupassen. Er bleibt heiter, freundlich und gelassen.
Und jetzt die gute Nachricht: Es gibt ihn! Zwar selten, aber er existiert.
Ueberreuter schreibt alle zwei Jahre den "Wolfgang-Hohlbein-Preis" aus. Diesmal sollen über 800 Manuskripte eingegangen sein. Im Januar und im März verschickten Sie die Absagen, bis heute ist aber kein Gewinner gekürt. Woran liegt das?
Der nächste Hohlbein-Preis wird auf der Leipziger Buchmesse im Frühjahr 2006 verliehen.
Drei Jahre lang bestimmten die "Herr der Ringe"-Filme die Kinowelt. Nun folgt eine aufwändige Verfilmung der "Narnia-Chroniken" des Tolkien-Freundes C.S. Lewis. Sie haben die "Narnia"-Buchreihe seit langem im Programm. Was erhoffen Sie sich vom Kino-Event? Wie werden Sie auf die Filme eingehen?
Die Chroniken von Narnia - im Deutschsprachigen bisher oft nur den Liebhabern der Fantasy und denAnhängern von C.S. Lewis ein Begriff - sollen als Klassiker der englischen Fantasyliteratur im Idealfall einen ebensolchen Bekanntheitsgrad erreichen, wie sie ihn Angelsächsischen genießen. Dort wächst jedes Kind damit auf, Eltern lesen ihren Kindern daraus vor, jeder Haushalt hat seine Narnia-Ausgabe. Der Film ist selbstverständlich das beste und breitenwirksamste Instrument, auf die Welt von Narnia auch bei uns neugierig zu machen, so dass die Filmzuschauer diese Welt in den Büchern weiter entdecken wollen. Wenn das gelingt, dann gelingt sehr, sehr viel.
Neben den klassischen sieben Bänden der Narnia-Chroniken werden in diesem Herbst bei Ueberreuter noch eine illustrierte Gesamtausgabe, ein Film-Begleitbuch mit Fotos aus dem Film und vier weitere Bilderbücher erscheinen. Wir haben eine umfassende Marketing-Kampagne für den Buchhandel entwickelt, es wird eine Veranstaltung (u.a. mit Wolfgang Hohlbein und Christian Rendel, den Herausgebern der Neuübersetzung von "Der König von Narnia") geben und viele Medienkooperationen. Darüber hinaus kommunizieren wir den Film im Buchhandel mit Trailern.
Die Aktionen von Disney und nicht zuletzt das Merchandising der Narnia-Charaktere lassen uns an das "Wunder von Narnia" - in diesem Fall an einen großen Erfolg der Bücher - glauben.
Fragesteller: Titus Müller, Herausgeber des Federwelt Newsletters (www.federwelt.de)
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© Sandra Uschtrin | Uschtrin Verlag | 19972012
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