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...Markus Stromiedel
Drehbuchautor
erstellt am: 11. Januar 2006

(In: Federwelt Newsletter Nr. 70 vom Januar 2006)

Drei Fragen an ... Markus Stromiedel (Drehbuchautor) 

Sie schreiben momentan vor allem Drehbücher für "Tatort" und "Stubbe - von Fall zu Fall". Was lieben Sie an Ihrer Arbeit?

Besonders liebe ich den Prozess, wenn eine Idee entsteht: Der Anfang einer Geschichte wirbelt im Kopf herum, mal heftig, mal zögernd, bis er sich langsam zu einer Story verdichtet. Noch ist alles vage und nicht bis ins letzte Detail zu Ende gedacht, aber in guten Momenten entsteht schon jetzt in einem das Gefühl, etwas Besonderes gegriffen zu haben. Die nachfolgende Ausarbeitung der Idee ist dann tatsächlich Arbeit, sehr viel Handwerk und ständiges Umschreiben - eine anstrengende, aber erfüllende Zeit. Dann beginnt, nach Abgabe der ersten Drehbuchfassung, die Auseinandersetzung mit Dritten: dem Auftraggeber, den Schauspielern, dem Regisseur - furchtbar! Man sieht sein Werk gnadenlos seziert und auseinander genommen, und alle erwarten (zu Recht), dass man das Ganze in einer neuen Fassung wieder zu einem funktionierenden Stück zusammenbaut. Ein besonderer Augenblick ist dann wieder, wenn man das erste Mal einen fertigen Film sieht, der nach einem eigenen Drehbuch entstanden ist. Dieser Moment ist schön und schrecklich zugleich. Schön, weil es faszinierend ist, wenn gute Schauspieler die Texte, die in mühsamen Wochen und Monaten entstanden sind, spielen und sprechen - und wenn die Geschichte tatsächlich zum Leben erwacht. Schrecklich, weil der Film auf dem Fernsehbildschirm immer anders ist als der Film, den man in bis dahin seinem Kopf gehabt hat.

In Kürze starten Sie eine Seminarreihe für angehende Drehbuchautoren, in der Sie mit Hilfe anderer erfolgreicher Autoren, Producer und Redakteure den Nachwuchs im praktischen "Schreiben für den Markt" ausbilden.
Warum tun Sie das? Ziehen Sie sich damit nicht Konkurrenten heran?

Als ich selber, damals war ich noch Journalist, in die Fernsehbranche wechselte und meine ersten Schritte als Drehbuchautor machte, habe ich vergebens nach Seminarangeboten von erfolgreich schreibenden Autoren oder Produzenten gesucht. Die Seminare, die ich gefunden habe, wurden von Drehbuchtheoretikern oder von Autoren geleitet, die selber mit ihrer schreibenden Arbeit wenig Erfolg hatten. Mir ist dann auch ohne Seminare der Sprung in die TV-Branche gelungen, und ich konnte mich etablieren, aber ich habe Fehler gemacht, die Zeit und Nerven gekostet haben und die vermeidbar gewesen wären, wenn mir jemand zur rechten Zeit einen entsprechenden Tipp gegeben hätte. Das möchte ich nun angehenden Drehbuchautoren und -autorinnen anbieten. Natürlich entsteht so Konkurrenz. Aber wir brauchen gute Autorinnen und Autoren, die trotz der Zwänge des Fernsehens faszinierende Geschichten schreiben. Das wird nicht jeder können. Jeder, der das Zeug dazu hat, verdient es allerdings, unterstützt und vorbereitet zu werden auf die wirklich nicht immer angenehme Welt des TV-Geschäfts.

Was sind die drei häufigsten Fehler von Nachwuchsautoren, die das Umsetzen ihrer Drehbuchstoffe verhindern?

1. Fehler: Nicht für den Markt zu schreiben. -- So nüchtern und kühl es auch klingt: Drehbuchschreiben ist Schreiben für eine Industrie, die genaue Maßgaben und Bedürfnisse hat, die es zu erfüllen gilt und die man kennen sollte, bevor man sich an die Arbeit macht. Wer zum Beispiel ein Drehbuch für einen Science-Fiction-Thriller schreibt (mein erstes Drehbuch, seufz), der muss sich nicht wundern, wenn sein Film nicht realisiert wird. Ähnliches passiert dem, der für die ARD einen Actionfilm schreiben möchte oder dem ZDF für den Sonntagabend eine Coming-of-Age-Geschichte frühreifer Realschülerinnen aus Castrop-Rauxel anbietet. Die Kunst besteht darin, die engen Grenzen, die die Fernsehsender für ihre einzelnen Programmplätze stecken, maximal auszuloten.

2. Fehler: Nicht gut zu schreiben. - Klingt blöde, ist aber so einfach wie wahr. Drehbuchschreiben ist zu einem kleinen Teil Talent und zu einem großen Teil Handwerk. Üben, üben, üben!

3. Fehler: Gar nicht zu schreiben. - Entschuldigung, der Gag hat mich zu sehr gereizt, darum dies als dritter Fehler. Aber im Ernst: Drehbuchschreiben verlangt Ausdauer und ständige neue Anläufe. Ich kenne Autorinnen und Autoren, die nach einem ersten Erfolg Schwierigkeiten hatten, einen weiteren Stoff zu verkaufen und, verblüfft darüber, aufgehört haben zu schreiben (sie haben übersehen: das zweite Buch verkauft man nicht über den Stoff, sondern zu einem großen Teil über seine Person). Andere halten durch, versuchen es wieder und wieder, machen sich in der Branche bekannt und schaffen schließlich den Durchbruch. Ich selbst habe nach meinem ersten Drehbuch, das bei einem hochrangigen Drehbuchwettbewerb ausgezeichnet und gefördert wurde, vier Jahre gebraucht, bis mein erster Film im Fernsehen war, und weitere drei Jahre, bis ich allein vom Schreiben leben konnte. Die nicht realisierten Exposés füllen Regale! Deshalb nur Mut, und: Nicht aufgeben!

Informationen zur Drehbuch-Seminarreihe unter www.stromiedel.de.


Fragesteller: Titus Müller, Herausgeber des Federwelt Newsletters (www.federwelt.de)

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