(In: Federwelt Newsletter Nr. 71 vom Februar 2006)
Drei Fragen an ... Michael Gaeb (Literaturagent)
Der mexikanische Schriftsteller Sergio Pitol hat kürzlich den Cervantes-Preis erhalten, die höchste literarische Auszeichnung der spanischsprachigen Welt. Bei Tagesschau.de hieß es: "Der Preis ist in seiner Bedeutung vergleichbar mit dem Literatur-Nobelpreis." Was bedeutet das für Sie? Immerhin vertreten Sie als Agent weltweit Pitols Rechte.
Zunächst einmal ist der Cervantes-Preis eine lang verdiente Auszeichnung für ein literarisches Werk von internationaler Bedeutung, ein Werk, das es durch seinen pronocierten Avantgardismus lange Zeit schwer hatte. Erst in den letzten Jahren ist das Werk Sergio Pitols einer internationalen Leserschaft zugänglich gemacht worden. Der Preis bedeutet für mich natürlich viel Arbeit. Etliche internationale Verlage haben Interesse angemeldet, auch aus den schwierigeren Märkten, wie den USA, England, Skandinavien.
Welche Art von Manuskripten suchen Sie? Gibt es Themen oder Genres, mit denen man gute Chancen hat, bei Ihnen unter Vertrag genommen zu werden?
Ich vertrete deutsche und ausländische Literatur. Im Feld der deutschen Belletristik bin ich vor allem interessiert an historischen Romanen und Kriminalliteratur, die einen besonderen Zugang haben und nicht ausschließlich das Genre bedienen. Gewiss gibt es Regeln, z.B. sollte ein Krimi eines deutschen Autors nicht im Ausland spielen, und ein historischer Roman vor 1800 situiert sein. Und es gibt immer wieder Ausnahmen, die die Regel bestätigen. Ferner bin ich aufgeschlossen für Biographien historischer, vergessener Persönlichkeiten. Ebenso bin ich natürlich an literarischen Texten im engeren Sinne interessiert, die welthaltig und ohne Nabelschau die heutige Situation und ihre "conditio humana" einfangen.
Was raten Sie Nachwuchsautoren, die noch dabei sind, sich Ihren Weg in den Literaturbetrieb zu bahnen?
Zunächst einmal rate ich: lesen, lesen, lesen! Es ist immer gut, sich an anderen Texten zu orientieren, zu schauen, wie es andere gemacht haben, daran lernt man. Auch rate ich zu Geduld und dazu, ein Manuskript erst zu senden, wenn es fertig ist. Und natürlich rate ich, sich an eine Agentur zu wenden, das ist heutzutage allemal aussichtsreicher, als direkt an die Verlage heranzutreten. Es gibt in Deutschland inzwischen eine große Anzahl seriöser Agenturen, die man daran erkennt, dass sie keine Vorabhonorare verlangen, dass sie auf Erfolgsbasis arbeiten und nicht mehr als 15% Provision verlangen. (Auch das In-Rechnung-Stellen von Porto, Kopier- oder Telefonkosten ist unüblich.) Ein persönliches Gespräch mit der Agentur erscheint mir immer der beste Weg zu erfahren, ob die Chemie stimmt. Man will und soll ja lange zusammenarbeiten!
Fragesteller: Titus Müller, Herausgeber des Federwelt Newsletters (www.federwelt.de)
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