(In: Federwelt Newsletter Nr. 76 vom Juli 2006)
Drei Fragen an ... Gunnar Cynybulk (Programmleiter des Gustav Kiepenheuer Verlags)
Der Buchhandel konzentriert sich immer mehr auf große Autorennamen und die Saison-Bestseller. Wie schaffen Sie es als Verlag der Sorte "klein, aber fein", sich auf dem Markt zu behaupten? Wie ist es Ihnen beispielsweise gelungen, Camilla Läckbergs aktuellen Krimi so gut zu platzieren?
Über Qualität, Glaubwürdigkeit, Konzentration und Engagement. Natürlich müssen auch wir den kommerziellen Aspekt des Büchermachens im Auge behalten, in diesen Zeiten mehr denn je, aber selbst wenn wir ein Buch etwas populärer verpacken, so müssen wir doch immer vom Inhalt überzeugt sein. Als unabhängiger Verlag mittlerer Größe können wir nicht auf allen Hochzeiten tanzen. Wir versuchen, uns auf das zu beschränken, was wir können und wollen. So bleiben wir hoffentlich etwas beweglicher als größere Verlage und können alle Prozesse des Büchermachens und -verkaufens intensiver begleiten. Etwa wird bei uns, anders als in vielen deutschen Verlagen, noch jedes Buch im Haus lektoriert. Für Camilla Läckberg haben wir einiges an Aufmerksamkeit erzeugt. Angefangen mit einem Buchhändler-Gewinnspiel über Leseexemplar, Anzeigen, Lesereise und die überzeugende Arbeit unser Handelsvertreter im Buchhandel. Weil wir die Autorin für richtig gut halten. Und Leser sowie Buchhändler scheinen das genauso zu sehen.
Sie veröffentlichen neben skandinavischen Autoren auch junge deutsche Erzähler. Was muss ein Autor bzw. ein Manuskript bieten, um Sie zu begeistern?
Da ist erst einmal die notwendige Tugend: das Handwerk. Dramaturgie, Szenen, Dialoge, kurz, die Bausteine des Erzählens, müssen solide gesetzt werden. Dann möchte ich es mit Erzählern zu tun haben, die mich und sich nicht langweilen. Wenn man Freunden eine Anekdote erzählt, schmückt man die Begebenheit doch auch so aus, dass einem gespannt zugehört wird. Nichts anderes erwarte ich von Literatur. Ich muss letztlich zu der Überzeugung gelangen können, dass hier jemand viele Möglichkeiten erwogen und sich dann für die beste entschieden hat. Denn das ist der künstlerische Akt, der also vor der Niederschrift liegt: die Wahl einer aus vielen Möglichkeiten. Nicht zu verachten sind Humor und Belesenheit.
Kommt es mitunter vor, dass Sie ein Manuskript nicht veröffentlichen können, obwohl die Idee für die Geschichte glänzend ist? Welche Schwäche begegnet Ihnen am häufigsten?
Leider hier und da. Die häufigsten Fehler: mangelnde Umsetzung, schlechte Recherche, meist zu abstrakt statt anschaulich geschrieben, zu wenige konkrete szenische Momente, statt dessen gerafftes, innerliches Erzählen ohne Horizont und Charme.
Fragesteller: Titus Müller, Herausgeber des Federwelt Newsletters (www.federwelt.de)
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