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... Brigitte Riebe
Autorin
erstellt am: 13. August 2006

(In: Federwelt Newsletter Nr. 77 vom August 2006)

Drei Fragen an ... Brigitte Riebe (Autorin) 

Du bist promovierte Historikerin und schreibst historische Romane. Wie gelingt es dir, dich von den Recherchen zu lösen und dich dem Erfinden einer Geschichte zuzuwenden, in der nicht mehr alles aus nachprüfbaren Fakten besteht?
 
Jedes Mal vielleicht das Schwerste und manchmal fürchte ich, ich müsste die Historikerin noch gründlicher "in den Schrank" sperren, als bisher. Wenn ich weiß, dass etwas "nicht so war", ist es mir fast unmöglich, es so zu schreiben, was manchmal sehr mühsam sein kann, weil es "anders" sehr viel besser in die Geschichte passen würde. Aber ich versuche, Geschichte durch Geschichten zu erzählen und hänge sehr an dem Wahrheits- oder zumindest dem Wahrscheinlichkeitsgehalt. Deshalb finde ich persönlich Fantasy auch zum Gähnen langweilig, sowohl zum Lesen, als erst recht zum Schreiben. In der Regel läuft es auf einen Kompromiss heraus: Wenn ich weiß, was "wahr war", dann baue ich die Geschichte darum herum.
 
Seit dem Erfolg von Romanen wie "Die Päpstin" haben sich fast alle historischen Romane an der "-in"-Epidemie angesteckt: "Die Kastratin", "Die Pelzhändlerin", "Die Brillenmacherin". Dein neuer historischer Roman heißt: "Liebe ist ein Kleid aus Feuer". Wie hast du deinen Verlag dazu gebracht, aus dem ermüdenden, aber aus Verlagssicht bewährten Muster auszubrechen?
 
Ich hab nie gemacht, was alle machen, mein ganzes Leben nicht, und ich denke jetzt auch nicht daran, damit anzufangen. Könnte schon Schreikrämpfe kriegen, wenn ich eine Buchhandlung betrete, all die zahllosen -ins gestapelt sehe und auf jedem ist eine Frauenbüste ohne Kopf darauf.
Liebe Güte: Müssen die LeserInnen so unmündig gemacht werden? Natürlich ist es höchste Zeit, anstatt "history" auch endlich mal "herstory" zu bringen (das haben wir als feministische Wissenschaftlerinnen schon Mitte der siebziger Jahre gefordert!), aber zur Geschichte gehören Männer bekanntlicherweise nun mal dazu und außerdem: Schöne Titel! Also, liebe Verlage, liebe Autoren: endlich mal wieder nachdenken!
 
Bevor du Autorin wurdest, hast du als Lektorin für Random House gearbeitet (und dort unter anderem Tanja Kinkel "entdeckt"). Hat das deinen Einstieg erleichtert?
 
Ganz und gar nicht, es war viel schwieriger, weil ich a) neidische Kollegen hatte, b) "damals", d.h. 1988, historische Romane kein bisschen "in" waren und c) viele meinten, ich solle doch lieber Lektorin bleiben. Ich hatte einen wirklich schweren Anfang und hätte vielleicht aufgegeben, wenn ich nicht so stur wäre. Heute allerdings glaubt schon fast jeder, er müsse einen historischen Roman schreiben. Habe in meinen Ferien wieder einmal Feuchtwanger gelesen (der konnte es wirklich), aber leider auch einige furchtbare neue Werke aus deutscher Feder, die es besser gelassen hätten. Kleiner Tipp: Es muss nicht immer eine Begine vorkommen. Nicht alle müssen sich mit "Ihr" anreden. Und ein bisschen sprachliche Eleganz darf durchaus sein. Finde ich.


Fragesteller: Titus Müller, Herausgeber des Federwelt Newsletters (www.federwelt.de)

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