(In: Federwelt Newsletter Nr. 78 vom September 2006)
Drei Fragen an ... Tatjana Flade (Journalistin)
Du hast als Redakteurin für dpa gearbeitet. Wieviele Zeitungen erreichen die Meldungen der dpa? Nach welchen Kriterien entscheiden sie, ob sie eine dpa-Meldung in ihre Printausgabe übernehmen?
Fast alle Zeitungsverlage, Radio- und TV-Sender in Deutschland sind Kunden der dpa. Darüber hinaus werden Kunden im Ausland beliefert. Die meisten Zeitungen haben mehr als nur eine Agentur abonniert, also außer dpa noch eventuell ddp, AP, Reuters (Schwerpunkt Wirtschaft), sid (Sport) etc. Die Kriterien der Zeitungsredakteure für die Übernahme einer Meldung sind sicher Qualität, Aktualität und eventuell Exklusivität der Meldungen und Berichte.
Warum hast du dich entschieden, den sicheren Redakteursposten aufzugeben und als freie Journalistin für dpa zu schreiben?
Ich habe gerne bei dpa gearbeitet, aber ich fühlte mich ein wenig eingeschränkt. Letztendlich hat das Bedürfnis nach mehr Freiheit den Ausschlag gegeben. Ich wollte außerdem länger ins Ausland nach St. Petersburg gehen und hatte ein interessantes Angebot der Internationalen Eislaufunion (ISU) vorzuliegen. Die ISU bot mir an, die Pressearbeit bei allen ihren Meisterschaften und Grand Prix Wettbewerben zu machen. Das hätte sich mit der Redakteursstelle nicht vereinbaren lassen. Nach einigem Überlegen habe ich mich dazu entschlossen, das Risiko einzugehen und ab Januar 2000 als Freie zu arbeiten. Ich habe diese Entscheidung bis heute nicht bereut, auch wenn ich weiß, dass ich als festangestellte Redakteurin mehr verdienen würde. Ein weiterer Nachteil ist die Unsicherheit, denn die Aufträge können plötzlich ausbleiben. Andererseits kann man als Festangestellter auch sehr schnell den Job verlieren!
Du hast dich auf das Thema Eiskunstlauf spezialisiert. Bezahlt dpa deine Artikel so gut, dass das Honorar die weiten Reisen nach Russland, Japan, China und in die USA mit abdeckt? Oder kannst du die Reisespesen gesondert in Rechnung stellen?
Nein, so gut werden die Artikel leider nicht bezahlt. Die Reisen finanzieren sich aus den Honoraren verschiedener Auftraggeber (dpa, Eiskunstlauffachzeitschriften, ISU) bzw. werden von meinem Auftraggeber vor Ort (nationale Verbände, ISU) übernommen. Wenn ich bei einem Wettbewerb bin, dann arbeite ich immer für mehrere Auftraggeber. Zum Beispiel schreibe ich für den einen einen aktuellen Wettkampfbericht und mache für den anderen Interviews mit den Spitzenläufern.
Fragesteller: Titus Müller, Herausgeber des Federwelt Newsletters (www.federwelt.de)
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