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... Till Burgwächter
Journalist und Autor
erstellt am: 9. November 2006

(In: Federwelt Newsletter Nr. 80 vom November 2006)

Drei Fragen an ... Till Burgwächter (Journalist und Autor)

Du reist nach England, Finnland, Griechenland und interviewst für die Zeitschrift

"Metal Hammer" Bands wie Iron Maiden, Lordi oder Motörhead. Schon als Jugendlicher hast du ihre Musik gehört. Zittert dir da beim Interview nicht manchmal vor Ehrfurcht die Stimme?

Nein, ganz so schlimm ist es nicht. Natürlich hat man vor Bands, die einen seit 15 Jahren begleiten, einen gewissen Respekt. Speziell der Besuch bei Iron Maiden in London im Sommer 2006 war so ein Termin. Aber zittern muss und sollte man nicht. Den meisten Musikern ist es meiner Erfahrung nach auch wesentlich angenehmer, mit einem halbwegs gefassten Journalisten zu sprechen, als einen dem Nervenzusammenbruch nahen, sabbernden Fan aus dem Hotelzimmer tragen zu müssen. Zumal ich ziemlich schwer bin.  

Deine Szenekenntnis hast du in "JGTHM - Juhr Gait Tu Hewi Mettäl" und zwei Folgebüchern zu beißender Satire umgewandelt. Wie haben die Bands darauf reagiert?

Viele gar nicht, manche amüsiert, manche verärgert. Einmal habe ich mit einer Mitarbeiterin einer Plattenfirma telefoniert, als im Hintergrund plötzlich Gepöbel und eine zugeschlagene Tür zu hören waren. Auf meine Nachfrage, was denn los sei, meinte sie nur, dass sich der Sänger einer recht bekannten Band über seine Rolle in "JGTHM" aufregen würde. In dem Buch "Die Wahrheit über … Wacken" widme ich mich ganz dem Wacken Open Air, dem größten Heavy Metal-Festival Europas. Einer der Macher dieses Open Airs kam zu einer meiner Lesungen und sagte hinterher, er wisse nicht, ob er mir auf die Schulter klopfen oder mir eine reinhauen solle. Er hat mir dann auf die Schulter geklopft, weil er eben auch sehr über die Texte lachen musste.

Auch dein neues Satire-Buch "Die Wahrheit über … Fußball" ist in einem kleinen Verlag erschienen. Mit welcher Methode sorgst du für guten Abverkauf?

Wenn einen die großen Verlage nicht haben wollen, dann muss es eben anders gehen. Mein kleiner Verlag (Oidium, Berlin) hängt sich mächtig rein, druckt hochwertige Flyer und Poster, nervt Buchläden, bis sie sich ein paar Exemplare hinstellen usw. Leider reagieren zum Beispiel größere Printerzeugnisse nahezu überhaupt nicht auf die Bemühungen der "Kleinen". Beim direkten Kontakt heucheln sie Interesse, aber geschrieben wird doch nichts. Rezensionen sind also schwer zu bekommen. Ich persönlich tue alles, was ich kann, gebe Interviews, lese an jeder Milchkanne, fahre quer durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Wenn man beim Comedy Carl (das ist eine regelmäßig stattfindende Live-Show) in der Essener Zeche mal über 200 Zuschauer zum Lachen gebracht hat, dann wird man das Gefühl nicht los, irgendwas richtig zu machen. Deshalb wird weitergekämpft. Und: So lange Eva Herman, Hera Lind und Gerhard Schröder schreiben dürfen, darf ich das schon lange. 


Fragesteller: Titus Müller, Herausgeber des Federwelt Newsletters (www.federwelt.de)

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