(In: Federwelt Newsletter Nr. 84 vom März 2007
Drei Fragen an ... Aci (Buchhändlerin)
Wonach richtet sich eure Entscheidung, ob ihr ein neues Buch in größerer Stückzahl einkauft und es im Stapel auf den Tisch legt oder ob ihr nur wenige Exemplare ins Regal stellt? Alle Neuerscheinungen zu lesen, ist ja unmöglich.
Stimmt, es ist unmöglich, alle Neuerscheinungen zu lesen oder einzukaufen. Die Entscheidung, welcher Titel in Stapeln eingekauft wird, ist von vielen Faktoren abhängig: Haben wir dafür die Klientel? Spricht es uns persönlich an? Wie sieht das Verlagsmarketing aus? Stimmt der Preis? Haben wir vorab die Möglichkeit, das Buch zu lesen und es begeistert uns absolut, kaufen wir auch größere Stückzahlen ein, selbst wenn das Verlagsmarketing schlecht oder der Preis hoch ist. Die Begeisterung des Buchhändlers ist manchmal ähnlich gut, wie eine groß angelegte Werbeaktion. Letztendlich ist der Buchhändler aber auch Kaufmann. Wenn wir "riechen", dass der Titel wie Blei liegt, dann kaufen wir doch lieber vorsichtig ein. Es ist schon länger nicht mehr so, dass man als Buchhändlerin einkaufen kann, was man selbst mag. Die Rentabilität ist an erste Stelle gerückt. Was nützt das schönste Sortiment, wenn es einen ruiniert?
In deinem herrlichen Weblog "Buchhändleralltag und Kundenwahnsinn" (http://aci.blogg.de) gibst du Einblick in den Arbeitsalltag deiner Buchhandlung. Von einem Fall hast du allerdings noch nie berichtet: Ein Autor betritt das Geschäft und bittet euch, einen BOD-Titel oder ein selbstverlegtes Buch ins Sortiment aufzunehmen. Unter welchen Umständen würdest du zusagen?
Es muss ein gutes Buch sein. Gerade BOD-Titeln haftet oftmals ein schlechter Ruf an. Die Qualität des Drucks und des Satzes vieler Titel des Printing on Demand ist leider nach wie vor schlecht und für die Wertigkeit oftmals überteuert. Und da Buchhändler gerade in der heutigen Zeit mehr Kaufleute als Kulturbewahrer sein müssen, um existieren zu können, muss das Buch eben erfolgversprechend sein, um einen wertvollen Platz in den Regalen zu bekommen. Passt es ins Sortiment, stehen die Chancen gut. So haben wir gerade in unserer Heimatabteilung einige selbstverlegte Bücher, die sich ausgesprochen gut verkaufen.
In welchem Bereich würdest du dir von deutschsprachigen Autoren mehr Professionalität wünschen?
Das klingt ja so, als wären die deutschen Autoren nicht professionell! Ich habe bisher eigentlich sehr nette und realistische Autoren kennengelernt. Möchte ein Autor sein Buch "zu fuß", also persönlich, in der Buchhandlung vorstellen und verkaufen, ist es von Vorteil, vorher einen Termin zu machen. Viele Autoren kommen zwischen Tür und Angel in die Buchhandlung gesprungen und nehmen sich daher selbst die Chance, in Ruhe angehört zu werden. Auch in gemütlichen Buchhandlungen gibt es einen straffen Zeitplan, und so muss ein "Autorenüberfall" oft schnell beendet werden. Ist es ein geplanter Besuch, dann bleibt mehr Zeit. Oft entwickeln sich fruchtbare Gespräche für beide Seiten.
Fragesteller: Titus Müller, Herausgeber des Federwelt Newsletters (www.federwelt.de)
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