Uschtrin-Logo
der Literaturbetrieb
das Handbuch
die Uschtrin

zurückzurück zu: "3 Fragen an ..." - Personen aus der Buchbranche im Kurzinterview mit Titus Müller

... Wolfgang Tischer
Chefredateur von literaturcafe.de
erstellt am: 6. Mai 2007

(In: Federwelt Newsletter Nr. 86 vom Mai 2007

Drei Fragen an ... Wolfgang Tischer (Chefredakteur von literaturcafe.de)

 
Im September kommt der Film "Ein fliehendes Pferd" nach der gleichnamigen Novelle von Martin Walser in die Kinos. In den Hauptrollen: Ulrich Noethen, Katja Riemann, Ulrich Tukur und Petra Schmidt-Schaller. Der Dokumentarfilm "Der Unbequeme" wird bereits in den Kinos gespielt. Er zeichnet ein Porträt des Literaturnobelpreisträgers Günter Grass entlang der Entstehung seiner Autobiografie "Beim Häuten der Zwiebel". Außer ihm zu sehen sind unter anderem Helene Grass, Hans Magnus Enzensberger, Salman Rushdie.
 
Die meisten Autoren betreiben eine Website. Welche Fehler beobachtest du in der Art, wie sie sich präsentieren?
 
Eine Website muss sehr schnell beantworten, wer der Autor ist, was er schreibt, welche Erfolge er hatte. Auf vielen Websites muss man lange suchen, bis man diese Infos findet. Oder sie sind zu blumig und langatmig beschrieben. Gerade Presseleute, aber auch Veranstalter und Buchhandlungen bevorzugen kurze Infos, die sie gleich per Copy-und-Paste übernehmen können.
Auf keinen Fall sollte man es mit dem Eigenlob oder Vergleichen übertreiben. Neulich sah ich auf der Website eines eher unbekannten Hobbyschreibers die Eigenbezeichnung "der österreichische Dan Brown". So etwas ist peinich.
Außerdem sollte man Geld in ein professionelles Autorenfoto investieren und nicht einen Urlaubsschnappschuss einstellen. Die Website sollte generell eher nüchtern und sachlich gestaltet sein und nicht wie eine selbstgebastelte private Homepage mit abenteuerlichen Farbzusammenstellungen daherkommen. Der erste Eindruck zählt.
Und wenn man beispielsweise als Kinderbuchautorin auch einen Bereich für die kleinen Leser anbieten möchte, in dem sie Spiele oder zusätzliche Infos zu den Hauptfiguren des letzten Romans finden, dann sollte dies in einem eigenen Bereich für diese Zielgruppe geschehen.
Achja: Die Website sollte natürlich ständig aktuell gehalten werden.
 
Du bist Chefredakteur des ältesten Literaturportals im deutschsprachigen Internet. Das Literatur-Café hat sich seit 1996 mehrfach gewandelt, und ist so auch heute mit Weblogoberfläche und regelmäßigem Podcast auf dem neusten Stand der Dinge. Trotzdem sagst du, Trends wie Second Life seien in ihrer Wirkkraft überschätzt. Warum?
 
Wie immer gilt es, Aufwand und Nutzen abzuschätzen. Letzteres ist bei Second Life sehr schwer. Fast alle Zeitungen und Zeitschriften haben darüber berichtet, und oft unterhalte ich mich mit Leuten, die begeistert darüber sprechen. Wenn ich dann nachfrage, stelle ich fest, dass sie selbst nie dort waren und ihr Wissen nur aus diesen Berichten haben. So entsteht ein Hype und auch bei vielen Verlagen die Angst, dort etwas zu verpassen. Das ist die Stunde der Berater und Agenturen, die dies ausnutzen, sodass man schlimmstenfalls viel Geld investiert und der Aufwand nicht in Relation zum Nutzen steht.
Noch sollte man insbesondere den Marketingeffekt bei SL als Verlag oder Autor nutzen, denn allzu lange wird er nicht mehr anhalten. Wie das auch kostengünstig geht, versuchen wir mit unserer Veranstaltung am 3. Mai zu zeigen (siehe: www.literaturcafe.de/unsere-erste-veranstaltung-in-second-life-ein-erfahrungsbericht/).
 
Sollten Autoren sich überhaupt um Marketing kümmern? Ist das nicht Sache der Verlage, und wirkt aus dem Mund des Autors zu marktschreierisch?
 
Es wird immer wichtiger, dass sich sogar Autoren, die bei renommierten Verlagen unter Vertrag sind, selbst um Marketing und PR kümmern. Einige Verlage erwarten solche Dinge geradezu und bevorzugen Autoren, die hier aktiv mitarbeiten.
Natürlich sollte der Autor in Sachen Eigenmarketing professionell und eben nicht marktschreierisch auftreten. Und er sollte sich immer mit seinem Verlag abstimmen. Unlängst hatte ich den Fall, dass ein Autor eines bekannten Verlages im Forum des Cafés auf sein Buch hingewiesen hat. Der Beitrag war voll von Schreibfehlern. Solches Selbstmarketing wirkt sich auch negativ auf den Verlag aus und sollte natürlich vermieden werden. Verlage sollten ihren Autoren klare Richtlinien mit auf den Weg geben, was leider noch allzu selten erfolgt. Nicht jeder Autor ist ein Frank Schätzing, der aus der Marketingbranche kommt und weiß, was Leser und Presse in Sachen Selbstvermarktung wünschen und erwarten.
 
Drei Fragen an ... Wolfgang Tischer (Chefredakteur von literaturcafe.de)
 
Die Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek schreibt ihren neuen Roman "Neid" nur für die Leser im Internet. Zwei Kapitel sind bereits unter www.elfriedejelinek.com nachzulesen. Die Autorin nennt das Buch einen "Privatroman". Es ist ausschließlich die private Nutzung erlaubt: ihn zu lesen und ihn auszudrucken ist gestattet, solange er nicht kommerziell vertrieben wird. Elfriede Jelinek behält sich vor, im laufenden Prozeß Kapitel nachträglich umzuschreiben.
Via www.buchmarkt.de.
 


Fragesteller: Titus Müller, Herausgeber des Federwelt Newsletters (www.federwelt.de)

zurückzurück zu: "3 Fragen an ..." - Personen aus der Buchbranche im Kurzinterview mit Titus Müller


© Sandra Uschtrin | Uschtrin Verlag | 1997–2012

über 25 Jahre "Handbuch für Autorinnen und Autoren"
Die Jubiläumsausgabe!
Hardcover. 704 Seiten. 49,90 EUR. www.uschtrin.de/handbuch.html

Uschtrin Verlag,Taxisstr. 15, D-80637 München, fon: +49 (0) 89 159 80 166, fax: +49 (0) 89 159 80 167
eMail: info@uschtrin.de, Internet: www.uschtrin.de