(In: Federwelt Newsletter Nr. 87 vom Juni 2007
Drei Fragen an ... Maximilian Dorner (Autor und Belletristik-Lektor bei Klett-Cotta)
Gerade ist bei dtv dein Roman "Der erste Sommer" erschienen. Nun senden dir Buchhändler und Leser Fotos deines Romans, um zu zeigen, zwischen welchen Büchern er sich befindet in den Buchhandlungen. Hast du das bewusst als Marketingidee angeregt?
Die Idee kam mir, als ein Freund mich unmittelbar nach Erscheinen anrief und mir genau beschrieb, zwischen welchen Büchern mein Roman ausliegen würde. Da habe ich gemerkt, dass das kein Zufall sein kann, neben wem man zu liegen kommt (wie ja im richtigen Leben auch nicht ...) und nun versuche ich, diesen "Wahlverwandtschaften" nachzugehen. Gleichzeitig ist es natürlich auch eine Geste, eine Art Blumenstrauß, an den Buchhandel. Denn wir Autoren müssen uns natürlich um deren Gunst bemühen, Buchhändler sind unsere Fürsprecher, um beim Vergleich zu bleiben, unsere Brautwerber, die richtigen und möglichst viele Leser zu finden.
Du beschreibst im Roman das Leben inmitten der Trümmer der Stadt München nach dem Ende des zweiten Weltkriegs haben Freude und Lebenslust Platz in einer Ruinenstadt?
Ja, unbedingt. Erst seit den 50er Jahren gibt es - vielleicht aus dem unaufgearbeiteten Schuldkomplex heraus - die Tendenz, die Trümmerjahre nur mit Not und Hunger und Entbehrungen zu verbinden. Aber wenn man Tagebücher aus der Zeit liest, gibt es auch erst einmal ein großes Aufatmen, ein Gefühl der Befreiung und der Freiheit und auch das Wissen, dass man jetzt die Möglichkeit hat, von vorne anzufangen. Und, das Wichtigste: Man hatte Krieg, Bombennächte und eine Diktatur überlebt, mit Narben, mit Verletzungen, mit Schuld, mit allem, aber: man hatte überlebt.
Welche Art von Manuskripten schätzt du als Belletristik-Lektor für Klett-Cotta, was hast du gern auf deinem Schreibtisch?
Das ist schwer zu sagen. Grundsätzlich bemühe ich mich schon, mich auf alle Texte einzulassen. Grundvoraussetzung ist aber, dass ich merke, dass jemand sich beim Anschreiben und Zusammenstellung des Materials darüber Gedanken gemacht hat, warum er gerade in diesem Verlag veröffentlicht werden möchte. Anschreiben nach Gießkannenmanier haben es schon deutlich schwerer ...
Fragesteller: Titus Müller, Herausgeber des Federwelt Newsletters (www.federwelt.de)
|
© Sandra Uschtrin | Uschtrin Verlag | 19972012
über 25 Jahre "Handbuch für Autorinnen und Autoren"
Die Jubiläumsausgabe!
Hardcover. 704 Seiten. 49,90 EUR. www.uschtrin.de/handbuch.html
Uschtrin Verlag,Taxisstr. 15, D-80637 München, fon: +49 (0) 89 159 80 166, fax: +49 (0) 89 159 80 167
eMail: info@uschtrin.de, Internet: www.uschtrin.de