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... Vito von Eichborn
Verleger und Herausgeber
erstellt am: 30. Juli 2007

(In: Federwelt Newsletter Nr. 89 vom August 2007

Drei Fragen an ... Vito von Eichborn (Verleger und Herausgeber)

Sie waren sieben Jahre lang Lektor bei S. Fischer, haben den Eichborn Verlag gegründet und geleitet, später dann den Europa Verlag. Wie sehen Sie mit Ihrer langjährigen Erfahrung die Situation der Autoren heute? Ist es schwerer geworden oder leichter, als Autor in Deutschland verlegt zu werden?

Es wurden noch nie so viele Bücher verlegt wie heute. Demnach ist es also leichter.
Es wurde noch nie soviel geschrieben wie heute, der Verdrängungswettbewerb der Autoren untereinander ist härter denn je, also ist es schwerer.
Auch der Verdrängungswettbewerb der Verlage ist so hart wie noch nie. Alle suchen das gleiche Buch "für die 35-jährige lesende Frau". Wer marktfähig schreiben kann, findet schon mit Durchschnittlichem allemal einen Verlag. Es ist also leichter.
Wer aber etwas Besonderes, gar etwas wirklich Neues, oder, horribile dictu, gar etwas Intelligentes schreibt, hat es entschieden schwerer. Es prügeln sich alle um die gleiche Mitte, wo sie sich gegenseitig zerreiben. Doch nur an den Rändern entsteht Neues.

Bei Books on Demand geben Sie die "Edition BoD" heraus. Nach welchen Kriterien wählen Sie die Bücher aus, und inwiefern werden die in der Edition erschienenen Titel anders behandelt als die gewöhnlichen Bücher bei BoD?

Ich suche nach Inhalten, die ich mir in einem professionellen Verlagsprogramm vorstellen kann. Das Kriterium heißt verkürzt: "Würde ich als Buchhändler - also quer durch die Sparten im Laden - dieses Buch meinem Publikum anbieten?" Das reicht vom ungewöhnlichen Hotelführer über witzig-originelle Geschichten bis zum hochintelligenten "Aljoscha der Idiot".
Die werden dann in den Medien von BoD besonders herausgestellt, und es wird gesonderte Pressearbeit für sie gemacht. Aber auch hier gilt wie immer: Inhaltliche Qualität und Verkaufsqualität sind beileibe nicht deckungsgleich. Ich verspreche nur ehrlich: Dieses Buch hat eine breitere Öffentlichkeit verdient.

Sie veranstalten Wochenendseminare, um Nachwuchsautoren zu professionalisieren. Was sind typische Irrtümer, über die Sie Ihre Teilnehmer aufklären?

Ich will Seminare geben, in denen nicht über das Wie-schreibt-man gesprochen wird. Sondern ich will die Welt der Verlage, des Handels, von Marketing und Kosten durchsichtig machen. Über all dies - von der Verlagskalkulation über den Rechtehandel bis zum Vertrieb - gibt es weit und breit nichts als Irrtümer! Erst wenn ich die Zusammenhänge kapiere, kann ich mein Buch im Kontext positionieren. Oder ich lasse das Schreiben - es muss ja niemand Schriftsteller werden, wenn er keine besonderen Fähigkeiten hat.


Fragesteller: Titus Müller, Herausgeber des Federwelt Newsletters (www.federwelt.de)

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© Sandra Uschtrin | Uschtrin Verlag | 2010

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