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... Franzobel
Autor
erstellt am: 30. Oktober 2007

(In: Federwelt Newsletter Nr. 91 vom Oktober 2007

Drei Fragen an ... Franzobel (Autor)

Sie wurden 1995 für "Die Krautflut" mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet. Kennen Sie beim Schreiben noch die Sorge, nicht gut genug zu sein?
 
Das ist eine schwierige Frage, weil ich ja nicht nur unterhalten will, sondern auch einen Kunst-Anspruch habe, mich selbst beim Schreiben weiterentwickeln will. Man fängt mit jedem neuen Text bei Null an, muss kämpfen, bis er endlich eine Form bekommt, lebt sich hinein, entwickelt etwas, ist oft am Zweifeln, bis man das Gefühl hat, es könnte vielleicht etwas werden. Und irgendwann ist es dann geil, ein Rausch – bis zur Manuskript-Abgabe. Erscheint dann das Buch, wartet man auf die ersten Kritiken und durchlebt erst wieder eine Zeit geringster Gewissheit. Ich denke, der Zweifel, das ständige Gefühl der Unsicherheit, ist beim Schreiben unerlässlich, auch wenn es oft hart ist.
 
In Ihrem neuen Roman "Liebesgeschichte" reist ein Verzweifelter nach Jerusalem, um Terrorist zu werden, findet dort aber nicht den Hass, sondern die Liebe. Ein Einzelfall, oder Ihr Lösungsweg für den Zustand der Welt?
 
Mich hat interessiert, dass die Liebe alles außer Kraft setzt, alle Logik nicht mehr gilt; der Alltag, die Karriere, selbst das eigene Leben bedeutungslos werden, nur noch das geliebte Subjekt zählt, die Frage, ob ein SMS gekommen ist oder so. Liebende leben wie in einer Blase, wo sie für die Restwelt höchstens noch ein Kichern übrig haben. Verliebt zu sein ist ein wunderbarer Glücksrausch, der leider nie von Dauer ist. Alle Amokläufer sind ungeliebte Liebende. Ich glaube aber auch, dass die Liebe eine große Lüge der Neuzeit ist, obwohl man ständig hofft. Persönlich bin ich ein Gegner des Verklemmten und ein Verfechter für Sex und Poesie.
 
Sie bekannten in der "Frankfurter Rundschau" unlängst, amazonsüchtig zu sein. Inwiefern macht das Ranking, wie Sie schreiben, "die Autorensolidarität kaputt"?
 
Nicht nur das Ranking, der ganze Literaturbetrieb spielt die Autoren gegeneinander aus, macht sie zu Konkurrenten und schürt Feindbilder. Der Literaturmarkt ist ungeheuer brutal, überhäuft junge Leute mit Aufmerksamkeit und lässt sie dann gnadenlos fallen. Ich bin ja schon längere Zeit "im Geschäft" und habe daher schon einige Moden erlebt, beängstigend, wie viele Autoren da unter die Räder des Marktes gekommen sind - während die Kritiker immer ziemlich dieselben Pappnasen geblieben sind. Das sollte schon zu denken geben.
 
www.franzobel.at


Fragesteller: Titus Müller, Herausgeber des Federwelt Newsletters (www.federwelt.de)

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