Uschtrin-Logo
der Literaturbetrieb
das Handbuch
die Uschtrin

zurückzurück zu: "3 Fragen an ..." - Personen aus der Buchbranche im Kurzinterview mit Titus Müller

... Martin Hielscher
Programmleiter Literatur, Verlag C.H.Beck
erstellt am: 21. Januar 2008

(In: Federwelt Newsletter Nr. 94 vom Januar 2008

Drei Fragen an ... Dr. Martin Hielscher (Programmleiter Literatur, Verlag C. H. Beck)
  
Tausende Autoren suchen nach einem Verlag. Gleichzeitig suchen Belletristiklektoren gute neue Autoren. Warum finden die Suchenden so selten zusammen?
 
Ich finde gar nicht, dass die suchenden Lektoren und Autoren so selten zueinander finden, sondern habe eher die Erfahrung gemacht, dass die guten und ernsthaft und hartnäckig arbeitenden Autoren irgendwann auch einen Verlag finden, nicht zuletzt, weil es inzwischen so viele professionelle Zwischeninstanzen gibt, Stipendien, Werkstätten, Studiengänge, literarische Wettbewerbe, Zeitschriften etc., die eine bedeutende Vermittlungsarbeit leisten. Das faktische Problem ist, dass es eine begrenzte Zahl von Programmplätzen in den Verlagen für eine sehr hohe Zahl von Schreibenden gibt, die nicht alle veröffentlicht werden können. Man muss eine Auswahl treffen und natürlich auch berücksichtigen, dass unterschiedliche Verlage unterschiedliche Profile haben. Lektoren haben in der Regel eher zu viele als zu wenige Manuskripte auf dem Tisch, auch von den durchaus erwägenswerten.
 
In der "Süddeutschen Zeitung" schrieben Sie, dass Sie die Zahl der beinahe guten Manuskripte bedrückend fänden. Woran scheitern solche beinahe guten Manuskripte beispielsweise?
 
Sie scheitern letztlich daran, dass sie eben nicht hundertprozentig gut sind, nicht zwingend notwendig, dass ihnen dann doch etwas fehlt, sprachlich, strukturell, von der Geschichte her, dass das, was man daran dann noch nicht so gelungen findet, schwerer wiegt als das Gelungene. Die meisten Lektoren haben eben eine recht eng begrenzte Zahl von Plätzen zur Verfügung und müssen zwangsläufig eine strenge Auswahl treffen. Es hat ja keinen Sinn, die Zahl der Veröffentlichungen noch zu erhöhen, es ist eher so, dass immer noch, im Verhältnis zu dem, was der Markt verkraftet, zuviel publiziert wird.
 
Neue Autoren sind ein großes Risiko für einen Verlag. Wie finden Sie Leser für einen Autor, den noch niemand kennt?
 
Neue Autoren mögen ein Risiko für die Verlage sein, zugleich wünscht sich jeder Lektor, neue Autoren zu entdecken und "aufzubauen", wie man das nennt. Die neuen, unbekannten Autoren von heute sind die bekannten und großen Autoren von morgen - wenn alles gut geht. Man kann Leser für sie finden, indem man sie im Programm gut vorstellt und ein gutes Umfeld für sie schafft, vielleicht ein Leseexemplar oder Vorausexemplar macht und damit Leserinnen unter den so wichtigen Buchhändlerinnen findet und auch den Kritikern gegenüber über den neuen Autor spricht und ihn empfiehlt. Man kann jemanden nach Klagenfurt zu schicken versuchen - das kann aber auch schief gehen -, es gibt bestimmte Lesereihen und Festivals, Foren für junge, neue Autoren, es gibt auch Preise für Debütanten, das alles muss man versuchen und Geduld haben. In den meisten Fällen "rechnet" sich ein erstes Buch nicht, im klassischen Sinne muss man also Zeit haben und jemanden geduldig durchsetzen.


Fragesteller: Titus Müller, Herausgeber des Federwelt Newsletters (www.federwelt.de)

zurückzurück zu: "3 Fragen an ..." - Personen aus der Buchbranche im Kurzinterview mit Titus Müller


© Sandra Uschtrin | Uschtrin Verlag | 1997–2012

über 25 Jahre "Handbuch für Autorinnen und Autoren"
Die Jubiläumsausgabe!
Hardcover. 704 Seiten. 49,90 EUR. www.uschtrin.de/handbuch.html

Uschtrin Verlag,Taxisstr. 15, D-80637 München, fon: +49 (0) 89 159 80 166, fax: +49 (0) 89 159 80 167
eMail: info@uschtrin.de, Internet: www.uschtrin.de