(In: Federwelt Newsletter Nr. 96 vom März 2008
Drei Fragen an ... Eva Schmeling (Lektorin, Blanvalet Verlag)
Überstunden, Wochenendarbeit, ein übervoller Schreibtisch, das nie ruhende Telefon - warum sind Sie Lektorin, was reizt Sie an diesem Beruf?
Ich bin noch nicht besonders lange in der Branche tätig, erst seit etwa drei Jahren. Lektorin zu werden, war mein Traum, der mir allerdings erst während des Studiums so richtig klargeworden ist. Ich habe schon als kleines Kind Bücher geliebt und sie immer als etwas Besonderes, etwas Wichtiges empfunden. So denke ich immer noch. Auch wenn ich Theater und Film ebenfalls mag, ist für mich doch das Buch nach wie vor das schönste Medium. Es regt die eigene Fantasie an. Man kann so viel bewegen mit Büchern: die Gemüter erhitzen, zu Tränen rühren, ein Schmunzeln verursachen, lehren und lernen. Und für jeden ist etwas dabei: Krimi, Psychothriller, historische Romane, Sachbuch, Kinder- und Jugendbuch, freche Frauen, große Gefühle, anspruchsvolle Literatur ...
Für mich als Lektorin ist es einfach großartig, ein fertiges Buch in den Händen zu halten, an dem ich mitgewirkt habe. Klar, strenggenommen ist es natürlich nicht "mein" Buch, nicht mein Verdienst, ich habe es ja nicht geschrieben. Aber dennoch steckt oft so viel Herzblut darin, dass es irgendwie auch "mein Baby" wird. Monatelange Arbeit mit dem/der AutorIn am Manuskript, wieder und wieder Korrekturen, unzählige E-Mails und Telefonate, Recherche - stimmt alles?, Briefing der Designer, Aussuchen des am besten passenden Covers, Finden eines eingänglichen Titels, Verfassen von Inhalts-, Rückseiten und Marketingtexten, Vorstellen des Buches auf der Vertretertagung ... Und wenn es dann endlich da ist und sich womöglich noch gut verkauft, dann bin ich stolz. Das macht den ganzen Stress wieder wett.
Sind Sie für eine bestimmte Art von Literatur zuständig, oder behält jeder Lektor bei Ihnen einfach die Autoren, die er oder sie eingekauft hat?
Bei uns bei Blanvalet macht eigentlich jeder alles, vor allem im Taschenbuch. Eine Ausnahme bildet höchstens die Fantasy, die von unseren beiden Männern betreut wird. Da muss man schon richtig "drin" sein. Abgesehen davon pflegen wir Flexibilität. Man lernt und liest dadurch immer wieder Neues und rutscht nicht so schnell in ausgetretene Pfade. Wobei natürlich jeder auch seine Präferenzen hat. Ich mag besonders gerne historische Romane und solche mit einem "exotischen" Touch, also beispielsweise Australien-Sagas, Schweden- und Island-Romane, Familiengeschichten und Psychogramme. Die Skandinavier stehen mir überhaupt sehr nahe. Außerdem schätze ich die Arbeit mit deutschen Autoren sehr, die Geschichten erzählen, die sozusagen "vor der Haustür" spielen. Man kann viel lernen dabei, auch zwischenmenschlich. Und nicht zuletzt habe ich ein Faible für das Sachbuch, weil dort reale Menschen mit wichtigen Erlebnissen zu Wort kommen.
Grundsätzlich kauft jeder Lektor Bücher für unser Programm ein, aber damit alles gerecht ist und jeder Kollege gleich viele Titel zu betreuen hat, wird vieles noch hin und her getauscht.
Welche Genres würden Sie als die "Kernkompetenz" bei Blanvalet bezeichnen? Wo möchten Sie im Verlag in Zukunft ein noch stärkeres Schwergewicht setzen?
Die großen Stärken von Blanvalet liegen im Bereich der Spannung und der großen Unterhaltung. Also Thriller und Krimi, aber auch der gesamte Bereich der Frauenunterhaltung: "freche Frauen", historische Romane, große Gefühle und natürlich die Fantasy. Unser Augenmerk gilt dabei bisher und auch weiterhin neben den internationalen Autoren vor allem auch den Originalausgaben.
Fragesteller: Titus Müller, Herausgeber des Federwelt Newsletters (www.federwelt.de)
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