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... Imre Török
Vorsitzender des Verbands deutscher Schriftsteller (VS) in verdi
erstellt am: 6. September 2008

(In: Federwelt Newsletter Nr. 98 vom Mai 2008

Drei Fragen an ... Imre Török (Vorsitzender des Verbands deutscher Schriftsteller)

Was ist dein Ziel für den VS für die nächsten Jahre?
 
Knapp auf einen Nenner gebracht: Verjüngung und ein noch stärkeres politisches Engagement.
Der Verband deutscher Schriftsteller (VS) wird 2009 mit einem großen internationalen Kongress und Literaturfestival an seine Gründung 1969 erinnern. Die Verdienste für die Worturheber und um die deutschsprachige Literatur in den vier Jahrzehnten brauchen der Schriftstellerverband und somit die rund 4.000 Mitglieder dabei wahrlich nicht zu verstecken. Als nur ein Beispiel sei das Projekt "Verbrannt. Vergessen?" genannt (2007/08, http://vs.verdi.de/projekte/verbrannt_und_vergessen).  
Dennoch sehe ich die bedenkliche Entwicklung, dass dieser Berufsverband in der jüngeren Autorengeneration erheblich an Ansehen und Bedeutung verloren hat. Auf alle Ursachen einzugehen, würde hier zu weit führen. Die breite Öffnung in Richtung Internet, insbesondere hin zu Autorenforen oder etwa zum BVjA, ist ein Weg, die jüngere Autorengeneration anzusprechen und von der enormen Wichtigkeit eines aktiven Schriftstellerverbands zu überzeugen.
Das Engagement der kommenden Jahre hat der Schriftstellerkongress 2007 unter das Motto "Wert des Worts" gestellt. Damit ist nicht nur die originäre Aufgabe des VS gemeint, für das Urheberrecht und für angemessene Vergütung einzustehen. Der VS muss einen zentralen Platz in der gesellschaftlichen, politischen Wertediskussion einnehmen. Wir haben eine Kooperation mit amnesty international begonnen und treten mit vereinten Kräften für die Menschenrechte ein. Das ebenfalls bereits begonnene, groß angelegte Projekt "Interkultureller Dialog mit Afrika" wird dazu beitragen, den Blick über europäische Themen hinaus zu schärfen (http://vs.verdi.de/projekte/afrika).
 
Was möchten der VS und seine Kooperationspartner mit der Fairlag-Erklärung erreichen?
 
Die Autorenverbände aus den deutschsprachigen Ländern und zahlreiche Mitstreiter wollen und werden erreichen, dass Autorinnen und Autoren wesentlich fairere Bedingungen bei der Vermarktung ihrer Werke bekommen. Es geht nicht nur um die Mitglieder! Berufsverbände haben die Aufgabe, die Interessen des gesamten Berufsstandes zu wahren und literarisch Schreibende, von der Bestsellerautorin bis zum blutjungen Berufsanfänger, vor unseriösen Praktiken zu warnen und ihr geistiges Eigentum zu schützen helfen.
Völlig unhaltbare Zustände herrschen diesbezüglich bei sogenannten "Druckkostenzuschussverlagen", "Selbstzahlerverlagen", "Dienstleisterverlagen". Viele kehren das verlegerische Prinzip gänzlich um. Statt Schriftstellern Honorar für ihre künstlerische Leistung zu zahlen, kassieren sie in einigen Fällen bis zu fünfstellige Summen von Autoren. Seit langem kritisiert der VS diese Geschäftspraxis als "jämmerliche Gelddruckmaschine auf dem Rücken von Autoren".
Wenn dann so eine Firma - die Bezeichnung "Verlag" mag ich in dem Zusammenhang gar nicht in den Mund nehmen - sich noch erdreistet, mit Klageandrohungen die Meinungsbildung und Meinungsäußerung in der Autorenschaft zu unterbinden, hat das mit einer Kultur des Wortes nichts zu tun und ist ein Schlag ins Gesicht gewissenhaft und seriös arbeitender Verlage.
Das Aktionsbündnis für faire Verlage (http://www.aktionsbuendnis-faire-verlage.com/web/) wird alles daran setzen, durch gewissenhafte Aufklärung jene geschäftlich und kulturell selbstverständliche Transparenz in der Verlagsbranche einzufordern und durchzusetzen, die vor allem junge, unerfahrene Autoren vor Abzocke bewahrt.
Als mittelfristiges Ziel sehe ich eine grundsätzliche Verbesserung der Honorierung, sprich: weitere Schritte auf dem Weg hin zu angemessenen Vergütungsregeln.
Das Traumziel wäre, es wird wohl Aufgabe der jüngeren Autorengeneration werden, im deutschsprachigen oder gar europäischen Raum das zu erreichen, was die "Writers Guild of America" bereits praktiziert, nämlich, wenn nötig mittels Streik gerechtfertigte Forderungen durchzusetzen.
 
Wohin geht es mit dem deutschsprachigen Buchmarkt? Siehst du Gefahren für die Arbeit von Autoren oder eher Entwicklungen, die dem Literaturbetrieb gut tun?
 
Gefahren sehe ich, wie oben ausgeführt, wenn Autorenverbände nicht mit der Zeit gehen, als Berufsverbände zu wenig Anziehungskraft ausüben und somit Einflussmöglichkeiten einbüßen, im fairen Miteinander zwischen Urhebern und Verwertern der Literatur die künftigen Entwicklungen zu gestalten.
Das Internet revolutioniert nach gerade mal fünfzehn Jahren seit Etablierung des World Wide Web bereits unser Leben und wird sich weiter rasant auch auf Entwicklungen auf dem Buchmarkt und im Literaturbetrieb auswirken. Angesichts der Erfolge und der bedenklichen Begleiterscheinungen binnen so kurzer Zeit bedürfte es prophetischer Gaben, das nächste Jahrzehnt vorauszusehen. Deswegen setzt sich der VS vehement dafür ein, dass für alle sogenannten noch "unbekannten Nutzungsarten" der Publikation die Urheberrechte, das Recht auf Selbstbestimmung, stets bei den Autoren verbleiben.
Ich habe sehr viel Sympathie für die Idee, das Internet als weitestgehend freie Informationsplattform weltweit zu nutzen. Es muss jedoch eine gerechte Balance zwischen freiem Zugang zu Informationen und den Rechten der Urheber gefunden werden.
Das gute alte Buch wird gewiss nicht verschwinden, und ich hoffe, Hörbücher, Podcasting und noch ungeahnte Publikationsmöglichkeiten werden das literarische Leben bereichern.
Und wenn du mich fragst, wohin die Reise inhaltlich geht, so will ich optimistisch antworten. Die technische Revolution ermöglicht eine Dimension von zukunftsweisenden Inhalten und Informationen, wie wir sie seit der Renaissance und der ihr folgenden Aufklärung nicht mehr erlebt haben. Es liegt in unserer Hand als Schriftstellerinnen und Schriftsteller, diese Dimension höchst humanistisch zu gestalten.
 
Informationen zum Autor Imre Török unter www.imre-toeroek.de.


Fragesteller: Titus Müller, Herausgeber des Federwelt Newsletters (www.federwelt.de)

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