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... Charlotte Thomas alias Eva Völler
Autorin
erstellt am: 6. September 2008

(In: Federwelt Newsletter Nr. 99 vom Juni 2008)

Drei Fragen an ... Charlotte Thomas alias Eva Völler (Autorin)

Du hast bis 1992 als Richterin gearbeitet und danach noch bis 2005 als freie Rechtsanwältin, obwohl du seit vielen Jahren erfolgreich Romane veröffentlichst. Hat dir der vorgegebene Tagesablauf für das Schreiben genützt oder hat er dich eher behindert?
 
In meiner Richterzeit habe ich noch nichts geschrieben (außer Gerichtsurteile). Während meiner Zeit als Anwältin hatte ich die Kanzlei im eigenen Haus und - bis auf die vorgegebenen Gerichtstermine - keine festgelegten Arbeitszeiten. Mandantengespräche fanden jeweils nach Vereinbarung statt, wenn die Kinder in der Schule bzw. im Kindergarten waren. Die Arbeit konnte ich mir - d. h. soweit ich überhaupt Zeit dafür hatte - frei einteilen, sowohl was die anwaltliche Fallbearbeitung anging als auch, was das Schreiben betraf. Beides abwechselnd im selben Büro erledigen zu können, war dabei natürlich sehr hilfreich. Die meisten Schreibschichten fanden allerdings infolge der Inanspruchnahme durch die Kinder an den Abenden statt, oft auch nachts. Seit ich vor drei Jahren die Juristerei an den Nagel gehängt habe und hauptberuflich schreibe, geht es sehr viel leichter.
 
Du schreibst unter sieben verschiedenen Namen Beziehungskomödien, historische Romane, Krimis und Thriller. Wonach entscheidest du, welchem Genre dein jeweils nächstes Buch zugehören wird?
 
Die Pseudonyme sind mittlerweile größtenteils inaktiv, denn sie waren nicht nur unterschiedlichen Genres zugeordnet, sondern auch verschiedenen Reihen. Mit Beendigung der jeweiligen Reihen sind dann auch die Pseudonyme hinfällig geworden. Künftig soll es als Pseudonym nur noch Charlotte Thomas (historische Romane) geben, während unter meinem bürgerlichen Namen Eva Völler so wie bisher vielleicht noch die eine oder andere Beziehungskomödie erscheint.
 
Kennt jemand, der so fleißig ist wie du, Motivationsschwierigkeiten? Was kann dich vom Schreibtisch weglocken, und wie bringst du dich wieder zurück zur Arbeit?
 
Jeder Autor, der hauptberuflich schreibt, kennt wohl Motivationsschwierigkeiten. Man springt ja nicht früh aus dem Bett und ist von der Muse geküsst. In dem Punkt geht es mir nicht anders als jedem Berufstätigen, der sich manchmal morgens nur aus Pflichtgefühl zum Arbeitsplatz begibt. Schreiben ist oft Disziplin, sowohl was das Handwerkliche als auch was die Motivation angeht. Man muss sich hinsetzen und anfangen, sonst wird es nichts. Wenn dann im Laufe der folgenden Stunden Inspiration und künstlerische Höhenflüge dazukommen, ist es ein guter Schreibtag. Wenn sich gar - meist gegen Ende eines Romans - ein regelrechter Schreibrausch einstellt, ist es ein perfekter Schreibtag. Weil die guten Tage überwiegen und immer wieder auch perfekte dabei sind, empfinde ich die Schriftstellerei bei aller Selbstdisziplin als echten Traumberuf. 
Was mich von der Arbeit weglocken kann: meine Kinder, mit denen ich lieber zusammen bin als mit meinen Büchern. Manchmal auch schönes Wetter, weil ich gern im Garten arbeite. Oder, immer wieder, tolle neue Bücher von geschätzten Kollegen. Was mich regelmäßig trotz aller Versuchungen zurück an den Schreibtisch bringt: der nächste Abgabetermin.


Fragesteller: Titus Müller, Herausgeber des Federwelt Newsletters (www.federwelt.de)

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